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Überlegungen zu einer Neugestaltung der Wirtschaft


Das relativistische Wirtschaftssystem

Vorbemerkung:

Gibt man in eine Suchmaschine die Worte "neues Wirtschaftssystem" ein, erhält man eine fast unüberschaubare Menge an Hinweisen. Dem Anschein nach wünschen sich viele Menschen ein neues Wirtschaftssystem, in dem vor allem die Schere zwischen arm und reich endlich kleiner wird, der Kampf "jeder gegen jeden" umgewandelt wird in ein friedliches Miteinander und das darüber hinaus allen Bürgern ein bedingungsloses Grundeinkommen gewährleisten kann. Doch im Hinblick auf die konkrete Ausgestaltung eines solchen Wirtschaftssystems findet man dann sehr wenig. Dabei sind die Probleme hinlänglich bekannt. Als größtes Hindernis des bestehenden Wirtschaftssystems wird in der Regel das sich aus der Konkurrenzwirtschaft in Verbindung mit der Zinswirtschaft ergebende exponentielle Wirtschaftswachstum genannt. Darüber herrscht weitgehend Einigkeit, wie der folgende Satz es auf den Punkt bringt: "Wer glaubt, dass es in einer endlichen Welt unendliches Wachstum geben kann, ist entweder ein Idiot oder ein Ökonom".

Deshalb erstaunt es (oder auch gerade nicht), dass von unseren "Wirtschaftsweisen" die Lösung nicht erkannt wird. Wenn es kein ewiges Wachstum geben kann - was eigentlich eine Binsenweisheit ist - dann braucht man eben ein anderes Wachstumsmodell, ein Modell, in dem es SÄTTIGUNGSGRENZEN gibt. Für Naturwissenschaft und Technik ist die mathematische Handhabung solcher Sättigungsgrenzen nichts ungewöhnliches, die Wirtschaftswissenschaften haben für Sättigungsgrenzen allerdings bisher keinen Anwendungsbereich gefunden. Das könnte sich mit dem "relativistischen Wirtschaftssystem" ändern, denn auch in der Relativitätstheorie gibt es Sättigungsgrenzen.

Nun weiß ich sehr wohl, dass es viele Menschen gibt, die behaupten, die Relativitätstheorie von Albert Einstein sei falsch. Ob sie physikalisch falsch oder richtig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Tatsache ist aber, dass es einen ZWEITEN WEG gibt, der zu den gleichen mathematischen Ergebnissen führt, die auch Albert Einstein gefunden hat. Dies beziehe ich hier vor allem auf den zentralen Aspekt des "Gamma-Faktors" in der Relativitätstheorie (wobei die exakte Übereinstimmung der Ergebnisse aus der Physik mit denen aus der Geometrie nach wie vor verblüfft). Allein aus diesem Grund habe ich dem Wirtschaftssystem, welches mir vorschwebt, das Attribut "relativistisch" zugeordnet.

Ich werde also Albert Einstein nicht vom Sockel stürzen. Die Funktion des "Gamma-Faktors" steht - meiner Ansicht nach - außerhalb jeder Kritik, ganz im Gegenteil, sie ist durch die Geometrie des EINHETSKREISES geradezu bestätigt worden. Aber es gibt ein altes Sprichwort, das die Tragik dieses großen Mannes deutlich macht: „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“. Dass die Funktion des "Gamma-Faktors" einem einfachen geometrischen Gesetz des EINHEITSKREISES folgt, ist Albert Einstein entgangen. Albert Einstein war wahrscheinlich so sehr in seinen komplizierten  und komplexen Gedankengängen eingebunden, das er das Einfache nicht mehr zu erkennen vermochte.

Meine Überlegungen zu einem "relativistischen Wirtschaftssystem" als einem neuen Wirtschaftssystem sind deshalb unabhängig davon möglich, ob die Relativitätstheorie physikalisch falsch oder richtig ist. Doch das Besondere an diesem zweiten Weg ist, dass er eine Analogie zur marxistischen Arbeitswertlehre erlaubt, die so deutlich ist, dass die Frage berechtigt erscheint, wer eigentlich zuerst relativistisch gedacht hat: Karl Marx oder Albert Einstein?

Neben meiner Beschäftigung mit der Relativitätstheorie hatte ich gleichzeitig immer wieder in „Das Kapital“ von Karl Marx hineingeschaut. Da die Arbeitswertlehre angeblich das Grundgerüst seiner Lehre darstellen sollte, hatte ich den Ehrgeiz entwickelt, sie verstehen zu wollen. Weil das aber gar nicht so ganz einfach war, habe ich versucht, sie in eine mathematische Form zu bringen. Dabei bin ich auf Strukturen gestoßen, die mir von der Physik her bekannt waren. Und irgendwann verwandelte sich der berühmte „Groschen“ in den ebenso berühmten Sturzbomber: Plötzlich war mir klar, dass die Arbeits-wertlehre vom Prinzip her die Relativitätstheorie im EINHEITSKREIS ist. Man brauchte die Arbeitswertlehre nur ein bisschen zu modifizieren bzw. die Relativitätstheorie etwas zu erweitern, und schon konnten beide Theorien so miteinander verbunden werden, dass eine neue Sichtweise möglich wurde. In der Relativitätstheorie vollzieht sich mit der Zunahme der trägen Masse gleichzeitig die Dehnung der Zeit. Vergleicht man die Zunahme der trägen Masse mit der zunehmenden Arbeitsintensität durch den TECHNISCHEN FORTSCHRITT, dann muss in einer relativistischen Sichtweise die Zeit sich dehnen - und mit ihr das Geld. Dieses dem technischen Fortschritt äquivalente Geld kann dann als GRUNDEINKOMMEN genutzt werden, das nicht durch Umschichtung von vorhandenem Geld, sondern durch menschliche - und das heißt hier: GESELLSCHAFTLICHE - Arbeit neu entstanden ist.

Hier liegt allerdings auch das Problem: da diese "allgemeine", gesellschaftliche Arbeit im Bewusstsein der Menschen nicht existiert, wird sie  als solche nicht wahrgenommen. Sie wird nur dadurch wahrgenommen, dass Arbeits-ZEIT vernichtet und die Situation, in der mit immer weniger Menschen immer mehr produziert werden kann, zu einem unverständlichen Paradoxon wird. Doch wenn dieser Trend sich fortsetzt - und vieles spricht schon heute dafür - brauchen wir ein neues Wirtschaftssystem, eines, das mit diesem "unsichtbaren" Problem umgehen kann. Es muss denjenigen, die durch den technischen Fortschritt arbeitslos geworden sind, Geld zur Verfügung stellen, damit die Waren, die ohne ihre Mitarbeit bereits hergestellt werden konnten, auch gekauft werden können.  Im gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftssystem haben diejenigen, die keine Arbeit haben, prinzipiell kein Geld. Fallen immer mehr Menschen aus dem Produktionsprozess heraus, bzw. bleibt ihnen nur die Möglichkeit, Mini- oder Billiglohnjobs anzunehmen, wird irgendwann die gesamtgesellschaftliche Kaufkraft nicht mehr ausreichen, um das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufkaufen zu können. Und dann besteht allerdings die Gefahr einer Rezession und möglicherweise auch der Deflation.

Gesellschaftliche Arbeit bedingt aber ein neues Verständnis von Wirtschaft. Durch die gesellschaftliche Arbeit wird die Leistungsgesellschaft grundlegend in Frage gestellt. Individuelle Arbeit beinhaltet, dass man nach seiner individuellen Leistung bezahlt wird. Gesellschaftliche Arbeit hingegen bedeutet Entlohnung nach dem, was andere Menschen - und das vielleicht schon vor vielen Generationen - für einen selbst erarbeitet haben.

Der Begriff der gesellschaftlichen Arbeit ist von Karl Marx geprägt worden, was deutlich macht, dass ein neues Verständnis von Wirtschaft nicht auf wesentliche Einsichten von Karl Marx verzichten kann. So beschreibt er z. B. zwei Formen des Mehrwertes: 1. den absoluten Mehrwert, bei dem der Arbeiter mehr arbeitet, als es für die Herstellung einer Ware notwendig ist, 2. den relativen Mehrwert, bei dem der Unternehmer Maschinen, also den TECHNISCHEN FORTSCHRITT nutzt. Die Entstehung absoluten Mehrwerts kann verhindert werden, indem die Betriebe in die „Verfügungsgewalt der Allgemeinheit“ (Rudolf Steiner) überführt werden und die Menschen nur noch so viel arbeiten, wie für die Herstellung einer Ware tatsächlich notwendig ist. Die Entstehung relativen Mehrwerts kann verhindert werden, indem die durch den technischen Fortschritt verringerte gesellschaftliche Arbeitszeit im hier vorgestellten relativistischen Sinne in menschlicher Arbeitszeit gedacht und als Finanzierungsgrundlage für ein Grundeinkommen genutzt wird. Wenn dann mit der Technologie des 3D-Druckers der Produzent gleichzeitig zum Konsumenten wird, ist die Möglichkeit, Mehrwert zu erzeugen, grundsätzlich nicht mehr gegeben. Mit diesen drei Punkten und einem Verbot für LEISTUNGSLOSE Einkommen wie Erbschaften und zinsorientierte Geldgeschäfte jeglicher Art für die Unternehmen, die in die „Verfügungsgewalt der Allgemeinheit“  überführt worden sind, ist eine Wirtschaftsform denkbar, die auf die Ausbeutung des Menschen vollkommen verzichten kann. 

Mit der Überführung der privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen in die "Verfügungsgewalt der Allgemeinheit" erhalten diese Bedingungen eine realistische Perspektive, denn die kapitalistischen Prinzipien sind von Menschen eingeführt worden und können demnach auch von Menschen wieder zurückgenommen werden. Deshalb sollte statt von der "Verfügungsgewalt der Allgemeinheit" von der "VERANTWORTUNG der Allgemeinheit" gesprochen werden. Die Überführung in die "Verantwortung der Allgemeinheit" macht dann aber deutlich, dass es eine Veränderung in den Eigentumsverhältnissen geben muss. Ein geflügeltes Wort besagt: Wer die Roboter besitzt, wird die Welt beherrschen. Wer, wenn nicht die Menschen selbst, sollen diese Welt beherrschen. Also müssen die Roboter und damit der technische Fortschritt insgesamt Eigentum der Menschen werden. Dazu kann das Grundeigentum - wenn es durch den technischen Fortschritt entsteht - der geeignete Hebel sein, langfristig in eine neue Wirtschaftsordnung einzumünden.

Digitalisierung und Automatisierung werden heute von allen politischen Parteien gefordert, aber werden auch die damit verbundenen Gefahren gesehen? Wie real ist die Annahme, durch die Digitalisierung und Automatisierung gingen zwar  Arbeitsplätze verloren, aber es würden auch neue entstehen? Ist es nicht eher Wunschdenken als gesichertes Wissen? Schätzungen zufolge soll sich in einem Zeitraum von nur 10 Jahren die Anzahl der Industrieroboter verdreifacht haben. Sollte deshalb nicht besser Vorsorge betrieben werden, als zu warten, bis es - vielleicht - zu spät ist? Zwar wird immer wieder ein "grundsätzliches" Umdenken gefordert, doch wie soll das geschehen, wenn nicht "grundsätzlich" alles Bestehende in Frage gestellt wird? Alle Theorien, insbesondere die naturwissenschaftlichen und die wirtschaftswissenschaftlichen, gehören auf den Prüfstand!

Während der Beschäftigung mit der Relativitätstheorie waren mir zunächst nur einige Dinge aufgefallen, die die Relativitäts-theorie in einem anderen Licht erscheinen lassen. Zieht man aus einem Zahlenstrahl  (hier mit NB bezeichnet) die Wurzel, besitzt er in der Form seines Kehrwertes eine mathematische Eigenschaft, die ebenso einfach wie wahrscheinlich auch unglaublich ist: er verkörpert die Sinuswerte im EINHEITSKREIS, aus denen dann auf einfachste Weise die Winkel ermittelt werden können, die die Dehnung der Zeit angeben. Dabei wird zugleich deutlich, dass die Relativitätstheorie NICHT an die Lichtgeschwindigkeit gebunden ist, denn im Einheitskreis ist JEDER Radius möglich. Diese Einsicht ist aber nicht der Physik geschuldet, sondern ausschließlich der Mathematik des Einheitskreises.

In der Form als 1/Wurzel NB = sin(x) wandelt sich der Zahlenstrahl NB in einen quadratisch eingefalteten Zahlen-strahl, wodurch sich die Vorstellung vom Bild des „gekrümmten“ Raumes in ein Bild des „eingefalteten" Raumes wandelt. Es ändert sich also nicht der Raum, sondern nur die Vorstellung über den Raum, die ich als „Zweites Bild der Wirklichkeit" bezeichnet habe.

Die Relativitätstheorie kann mit Hilfe des quadratisch eingefalteten Zahlenstrahls in einer so einfachen Sprache beschrieben werden, dass schon jeder Schüler, der bei den trigonometrischen Funktionen gut aufgepasst hat, sie verstehen kann. Das Verständnis der Relativitätstheorie ist nur insofern erforderlich, als man die Dehnung der Zeit als neuen Gedanken akzeptieren muss, was ja in der Physik längst geschehen ist. Die Dehnung der Zeit entsteht nach Albert Einstein durch den Gamma-Faktor. Diese Meinung steht in der physikalischen Landschaft so unerschütterlich fest, wie eine deutsche Eiche im deutschen Wald. Möglicherweise ist aber gerade das der Grund, warum eine sehr viel einfachere Lösung übersehen werden konnte, die zudem dann zur Lösung irdischer Probleme beitragen kann.

Stellt man den Gamma-Faktor der Relativitätstheorie  OHNE ein RUHESYSTEM dar, tritt die Allgemeingültigkeit des Gamma-Faktors deutlich hervor. Dadurch zeigt sich, dass die spezielle Relativitätstheorie einen allgemeineren Anwendungs-bereich besitzt, als bisher angenommen wurde. Sie lässt sich deshalb auch auf die Erfassung wirtschaftlicher Phänomene wie den TECHNISCHEN FORTSCHRITT anwenden.

Es ist inzwischen eine unleugbare Tatsache geworden, dass die Wirtschaften der Industrienationen mehr und mehr aus dem Gleichgewicht geraten. Diese Störungen werden u. a. durch den technischen Fortschritt hervorgerufen, der bewirkt, dass die menschliche Arbeitskraft im Produktionsprozess immer weniger benötigt wird. Das statistische Bundesamt in Wiesbaden hat belegt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem immer geringer werdenden Arbeitseinsatz (in Mrd. Stunden) eine annähernd stetig anwachsende Produktion erzeugt wurde. Nimmt man also an, dass der geringere Arbeitseinsatz auf den technischen Fortschritt zurückzuführen ist, erhält man die Möglichkeit, den technischen Fortschritt in der Form als ZEIT zu erfassen. Die durch den technischen Fortschritt verringerte gesellschaftliche Arbeitszeit fehlt dann aber in der „Geldbilanz“, denn die "intelligenten" Maschinen bekommen ja keinen Lohn. Doch das, was produziert worden ist, muss auch gekauft werden können. Um diese Lücke  auffüllen zu können, muss der technische Fortschritt in MENSCHLICHER ARBEITSZEIT gedacht werden.

Dies gelingt, wenn man die gesellschaftlich nicht mehr benötigte Arbeitszeit als "gedehnte" Zeit auffasst, also als eine Zeit, die es zugleich gibt UND nicht gibt. Dabei deutet das kleine Wörtchen "UND" auf das philosophische Dilemma im christlich-abendländischen Denken hin, in dem diese Gleichzeitigkeit nicht vorgesehen ist. Nach Aristoteles gilt: Wenn zwei Aussagen sich widersprechen, muss eine falsch sein. Es gibt aber andere Logiken - so z. B. die indische Logik - die diesen Widerspruch erlauben. Das gilt ebenso für das dialektische Denken, in dem die EINHEIT DER GEGENSÄTZE zum Grundprinzip erhoben worden ist - und mit dem Karl Marx seine Kritik am Kapitalismus formuliert hat. Lässt man also das kleine Wörtchen "UND" zu, befindet man sich zwar in einem anderen philosophischen Denksystem, aber man hat das Dilemma überwunden - und der Blick für neue Sichtweisen ist frei .

Beobachtet man den geringer werdenden Arbeitseinsatz in einer Gesellschaft über einen längeren Zeitraum, können - auch in einer linearisierten und daher nur näherungsweise geltenden Betrachtung - über die prozentualen Wachstumsraten die Winkel ermittelt werden, die den Winkeln für die gedehnte Zeit in der Relativitätstheorie entsprechen. Da die gedehnte Zeit und damit das in ihr enthaltene Geld NICHT in dem in Geld ausgedrückten Gegenwert des Bruttoinlandsproduktes (BIP) eines Jahres enthalten sein kann (denn die Vorstellung des "gedehnten Geldes"gibt es ja noch gar nicht), muss es in einer relativistischen Sichtweise um diesen Betrag erhöht werden, so dass auch diejenigen, die nicht in der Erwerbsarbeit tätig sein konnten, Geld - besser gesagt: ein Einkommen - erhalten können.

Ein Regelungstechniker würde diesen Vorgang als Regelung mit WIRKUNGSUMKEHR bezeichnen: je weniger gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit für die Erstellung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) benötigt wird, desto größer muss das gesamtgesellschaftliche Geldvolumen (die Binnenkaufkraft) werden, um das Gleichgewicht zu erhalten. Ein Grundein-kommen kann also nur entstehen, wenn die gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit im Vergleich zur tatsächlich geschaffenen Produktion kleiner wird. Dieser Effekt kann nur durch den technischen Fortschritt bewirkt werden. Würde dieser Prozess sich ungehindert fortsetzen, stünde man irgendwann vor dem Problem der menschenleeren Fabrik: es könnte zwar viel produziert werden, es gibt aber niemanden bzw. viel zu wenige Menschen, die die Produkte kaufen könnten. Will man nun auf den technischen Fortschritt nicht verzichten, aber gleichzeitig dem Problem der zu geringen Kaufkraft entgegentreten, kann die verringerte Arbeitszeit im Sinne der von der Relativitätstheorie her bekannten DEHNUNG DER ZEIT aufgefasst werden und den Ausgleich herstellen. Durch die Darstellung des "Gammafaktors" der Relativitätstheorie im EINHEITSKREIS ist dieser Vergleich möglich geworden. Damit wäre die Finanzierung eines Grundeinkommens auf eine solide Basis gestellt. Es wird nicht einfach nur Geld hin- und hergeschoben, es wird Geld generiert, das aber nicht durch individuelle, sondern durch GESELLSCHFTLICHE Arbeit entstanden ist. Das Argument, mit dem Grundeinkommen bekäme man Geld, für das niemand gearbeitet habe, ist in diesem Modell entkräftet, denn das Geld IST erarbeitet worden: nur nicht individuell von einzelnen Menschen, sondern von vielen Menschen, die den technischen Fortschritt ermöglicht haben.

Dies ist die Bewusstseinsänderung, die eine Gesellschaft bewusst vornehmen muss, um Armut in einem reichen Land zu verhindern. Sie könnte den Bewusstseinswandel einleiten, der die Trennung von Arbeit und Einkommen möglich macht. Um aber eine grundlegende Änderung des wirtschaftlichen Denkens zu erreichen, bedarf es nicht nur der  Trennung von Arbeit und Einkommen (plus Grundeinkommen), sondern auch der Trennung von Herstellungs- und Reproduktions-kosten.  In Zeiten größter Gefahr - und angesichts des drohenden Klimawandels ist das keine Übertreibung - muss nach einem neuen Finanzsystem gesucht werden. Geld, das notwendig ist, um dieser Gefahr zu begegnen, DARF einfach nicht fehlen. Wenn z. B. Geld für den Netzausbau nicht oder in nicht ausreichendem Maß vorhanden ist, müsste es GEDRUCKT werden können. Diese Aufgabe könnte eine (NEUE) Zentralbank übernehmen, die, ohne Zinsen zu verlangen, genau so viel Geld zur Verfügung stellt, wie benötigt wird - und, nach Abschluss des jeweiligen Projektes, die Kosten (in Form von Datensätzen) in ihren Computern wieder löscht. Eine solche neue Institution wäre politisch nicht mehr neutral, sondern würde nach - im gesellschaftlichen Diskurs erkannten - Notwendigkeiten handeln. Die Herstellungskosten müssten von einer Zentralbank oder einer entsprechenden neu zu schaffenden Institution übernommen werden, deren Aufgabe es gleichzeitig sein muss, in einem regional begrenzten Wirtschaftsraum für Gleichgewicht zwischen der immateriellen Geldgröße (unter Berücksichtigung des relativistisch vermehrten Geldes) und den geschaffenen materiellen Werten zu sorgen.

Wenn Geld der immaterielle Ausdruck von materiellen Gütern ist, braucht man keine Deckung des Geldes durch einen anderen Wertmaßstab wie z.B. Gold, sondern man braucht eine Deckung des Geldes durch das, was in einem bestimmten Zeitraum in einer Wirtschaftsregion erwirtschaftet worden ist: das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mit ihrer Vorstellung von der "gedehnten Zeit" bietet die Relativitätstheorie ein Beispiel dafür, wie die zu geringe Kaufkraft so "gedehnt" werden kann, dass sie das Bruttoinlandsprodukt wieder vollständig aufkaufen kann. Stehen Kaufkraft und das Angebot von Waren und Dienstleistungen (BIP) dann im Gleichgewicht, kann beides unter BERÜCKSICHTIGUNG DER NACHHALTIGKEIT gleichzeitig verringert werden.

Dabei sind zwei Bereiche zu unterscheiden: 1. der nur einmal mögliche Verbrauch eines endlichen Vorrats (z. B. Erdöl oder Kohle), 2. eine dauerhafte Entnahme aus einem Vorrat, der sich "erholen" kann (z. B. Nahrungsmittel oder Bäume in der Forstwirtschaft). Es wird leider häufig ignoriert, dass sich der erste Bereich für eine dauerhafte Nachhaltigkeit nicht eignet, sondern nur der zweite, bei dem aber die Nutzungsgrenzen eingehalten werden müssen, da sonst Raubbau betrieben wird. Dadurch wird eine wirtschaftliche Größe notwendig, die dem gegenwärtigen Denken völlig fremd ist: der VERZICHT.

Einen weiteren Grund für ein neues Wirtschaftssystem sehe ich in den protektionistischen Bestrebungen vieler Länder. Wer Schutzzölle erhebt, sollte wissen, dass Arbeitslosigkeit die notwendige Folge ist, die ihrerseits eine Schwächung der Binnenkaufkraft nach sich ziehen wird. Hier wird ein Grundeinkommen unabdingbar. Die zentrale Frage dabei ist aber, wie ZUSÄTZLICHES Geld generiert werden kann. Die Antwort kann nur lauten: durch den technischen Fortschritt. Der technische Fortschritt muss in menschlicher Arbeitszeit gedacht und in Form von Geld den Menschen zur Verfü-gung gestellt werden. Doch ohne einen der relativistischen Sichtweise entsprechenden Ausgleich für die durch protek-tionistische Maßnahmen entstehende Arbeitslosigkeit ist Protektionismus - insbesondere in entwickelten Wirtschafts-regionen - nicht nur eine grenzenlose Dummheit, er ist in hohem Maße gefährlich, weil er in letzter Konsequenz militärische Konflikte provoziert.

Wird der technische Fortschritt als Möglichkeit gesehen, das Grundeinkommen zu generieren, ist vom Grundsatz her schon ein neues Wirtschaftssystem entstanden: Entfällt der Zwang zu einem ständigen Wirtschaftswachstum (und  d. h.: des Wirtschaftswachstums um des Wachstums willen), kann überlegt werden, was die Menschen einer Wirtschaftsregion zum Leben wirklich benötigen - und zwar unabhängig von der Angst, Arbeitsplätze zu gefährden. In dem Maße, wie Arbeitslosigkeit durch den technischen Fortschritt entsteht, kann Geld für diejenigen generiert (gedruckt) werden, die im herkömmlichen System kein Geld zur Verfügung gehabt hätten. Dazu müssen aber die Mini- und Billiglohnjobs wieder in "Vollzeitlohnjobs" umgewandelt und  die Arbeitslosen "ungeschönt" gezählt werden. Erst wenn wieder Klarheit darüber besteht, wie hoch die Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft WIRKLICH ist, kann mit der Umgestaltung der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Verhältnisse sinnvoll begonnen werden.

Dass jedoch dann, wenn  man den Arbeitslosen  (plus Rentnern und Pensionären) einfach Geld zur Verfügung stellt, keine Inflation entsteht sondern ein notwendiger Ausgleich vorgenommen wird, kann nur der Vergleich mit der Relativitätstheorie zeigen. Vermutlich erst dann, wenn die Wirtschaften ihr Gleichgewicht, welches in Zukunft nur ein "relativistisches  Gleichgewicht" sein kann, erlangt haben, kann die Konkurrenzwirtschaft eingeschränkt und dem Wachstumswahn ein Ende bereitet werden.

Diese heute weltweit AUSSCHLIEßLICH vorherrschende Denkweise wird dann um das Prinzip Kooperation zu ergänzen sein, damit der Übergang in ein Wirtschaftsmodell möglich wird, in dem die "planetarischen Grenzen" im Hinblick auf die Ressourcenknappheit und den Klimawandel auch eingehalten werden können. 

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Wer den im Folgenden kurz dargestellten mathematischen Weg zum „relativistischen Wirtschaftssystem" überspringen möchte, sollte bis zum Punkt  7.  Die Grenzbedingung weiter scrollen.

Die physikalische Begründung für das relativistische Gleichgewicht habe ich in der Datei "Die physikalischen Grundlagen " ausführlich behandelt.

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Die physikalischen Grundlagen



Inhaltsangabe:

1. Die Zeitenwende

2. Der QUADRATISCH KONTRAHIERTE ZAHLENSTRAHL nB 

3. Die Relativitätstheorie im Einheitskreis

4. Die Analogie zwischen der Relativitätstheorie und der Arbeitswertlehre

5. Der Arbeit-Geld-Kosmos

6. Der technische Fortschritt als "eingesparte" gesellschaftliche Arbeitszeit

7. Die Grenzbedingung

8. Die Bedeutung der gesellschaftlichen Arbeit in der relativistischen Sichtweise

8.1 Das relativistische Gleichgewicht

8.2 Fernziel: Die egalitäre Gesellschaft

8.3 Das Grundeinkommen

8.4 Die Trennung von Herstellungs- und Produktionskosten

8.5 Der Abschied vom uneingeschränkten Freihandel

8.6 Besitz als Nutzungsrecht

8.7 Die Überwindung des Kapitalismus


 


1. Die Zeitenwende

 Die Industrienationen sind heute zunehmend in der Lage, mit immer weniger Menschen immer mehr Waren zu produzieren.

 

 Die für die Erstellung des BIP (Bruttoinlandsproduktes) benötigte Arbeitszeit nahm ständig ab. 1960 wurde in Westdeutschland mit rund 56 Mrd. Arbeitsstunden ein reales Bruttoinlandsprodukt im Wert von einer Billion DM erstellt. 1996 waren es 2,7 Billionen bei einem Arbeitseinsatz von nur noch 44 Mrd. Stunden. Im Vergleich zu 1960 wurde also ein fast dreifaches Inlandsprodukt mit rund 20% weniger Arbeitsvolumen erstellt. Dass diese Entwicklung durch den technischen Fortschritt möglich geworden ist, braucht sicherlich nicht besonders betont zu werden, aber sie musste zwangsläufig in die strukturelle Arbeitslosigkeit führen. Wer jedoch keine Arbeit hat, hat kein Geld, um Waren kaufen zu können. Sollen diese Menschen eines Tages vor vollen Regalen in den Kaufhäusern verhungern?

Ist aber das Warenangebot vorhanden, während gleichzeitig „nur“ die kaufkräftige Nachfrage fehlt, entsteht eine unangenehme Situation: aus Gründen des wirtschaftlichen Gleichgewichts müsste man den Arbeitslosen Geld geben (und nicht das Geld kürzen). Doch woher soll das Geld für die Arbeitslosen kommen?

Anders gefragt, ist eine Begründung denkbar, nach der Menschen Geld bekommen können, obwohl sie nicht gearbeitet haben?

Diese Begründung glaube ich in der Relativitätstheorie gefunden zu haben. Mir ist schon vor Jahren der Gedanke gekommen, die Arbeitslosen wie die „träge Masse“ in der Relativitätstheorie aufzufassen. Nach der Relativitäts-theorie steigt die träge Masse eines Körpers an, je mehr die Geschwindigkeit des Körpers sich einer Grenz-geschwindigkeit (hier: der Lichtgeschwindigkeit) annähert. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass im gleichen Maße, wie die träge Masse zunimmt, die Zeit sich dehnt.

 Träge Masse

   

Gedehnte Zeit

 

Wie man sieht, steht der Wurzelausdruck zur Beeinflussung der Masse unter dem Bruchstrich, zur Beein-flussung der Zeit auf dem Bruchstrich. Interessanter Weise bezeichnen die Naturwissenschaftler nur den Wurzelausdruck der trägen Masse als „Gamma-Faktor“, sie sprechen ansonsten vom „Kehrwert des Gamma-Faktors“. Masse und Zeit selbst sind unterschiedliche Größen, aber sie werden nach der gleichen Gesetz-mäßigkeit beeinflusst, so dass man sagen kann: wird die Geschwindigkeit v immer größer - d. h. nähert sie sich der Lichtgeschwindigkeit c an - nimmt die träge Masse in der gleichen Weise zu, wie die Zeit (die Eigenzeit tR) sich dehnt.

Diesen einfachen Zusammenhang habe ich versucht, auf die Wirtschaft zu übertragen. Der größte Teil der arbeitenden Menschen befindet sich in einem Lohn-Zeit-Arbeitsverhältnis. Hat jemand z.B. 8 Std. gearbeitet, wird er für diese acht Stunden bezahlt. Lässt sich aber mit einer gleichen (oder sogar einer geringeren) Zahl von Arbeitern die gleiche (oder sogar eine größere) Anzahl Waren herstellen, hat die Arbeitsintensität (bzw. die Produktivität) zugenommen. In der Sprache der Relativitäts-theorie hätte die träge Masse zugenommen, aber – und das ist ein entscheidender Unterschied - dort hätte sich gleichzeitig auch die Zeit gedehnt.

Hier macht die Relativitätstheorie auf etwas aufmerksam, was sich üblicherweise der Wahrnehmung entzieht. Die Zunahme der Arbeitsintensität ist durch den TECHNISCHEN FORTSCHRITT (Mechanisierung, Rationali-sierung, Automatisierung und den Einsatz neuer Technologien) bedingt. Wenn der technische Fortschritt aber so groß wird, dass manche Menschen nicht mehr zu arbeiten brauchen, muss diese nicht mehr benötigte Arbeitszeit in MENSCHLICHER Arbeitszeit gedacht werden, denn in dem Maße, wie Waren produziert werden, muss eben auch Geld vorhanden sein, um die Waren kaufen zu können. Wie soll das aber langfristig möglich sein, wenn immer weniger Menschen im Arbeitsprozess gebraucht werden, folglich Menschen arbeitslos werden und demnach kein Geld haben? Müsste nun nicht doch das Geld „gedehnt“ werden?

Dies scheint auf den ersten Blick widersinnig, weil es doch offenkundig genug Geld gibt. Die Reichtumsuhr ist sicherlich keine wissenschaftlich exakte Quelle, aber sie zeigt eine Tendenz auf, die auch von anderen wissen-schaftlichen Untersuchungen (siehe z. B. Böckler Impuls Ausgabe: 01/2009 der Hans-Böckler-Stiftung) bestätigt wird.  

Auf gut 6,6 Billionen Euro summierte sich das private Vermögen in Deutschland im Jahr 2007. Netto, also nach Abzug aller Schulden. [ … ] Der Wohlstand in Deutschland konzentriert sich zunehmend am oberen Ende der Skala: Das reichste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung besitzt inzwischen mehr als 60 Prozent des gesamten Privatvermögens. Dagegen haben zwei Drittel fast gar nichts.[1]

Geht man in einer kleinen „volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ – so, wie sie im Jahr 2007 ausgesehen hätte - einmal von 5 Billionen EURO Reichtum aus, müsste von diesem Reichtum der Wert des Bruttoinlands-produktes (BIP) abgezogen werden, weil jeder Bürger im Verlauf des Jahres seinen Anteil vom Bruttoinlands-produkt kaufen würde. Nimmt man für das BIP einen Wert von etwa 2 Billionen EURO an, würden vom Reichtum

5 Billionen EURO minus 2 Billionen EURO = 3 Billionen EURO

übrig bleiben. Diese 3 Billionen EURO sind aber eigentlich wertlos, weil ihnen – zumindest im Inland - keine Ware mehr gegenübersteht. Eine sinnvolle Verwendung dieses eigentlich wertlosen Geldes könnte aber darin bestehen, es gegen die Staatsschulden aufzurechnen. Wie könnte man dies erreichen? Natürlich über eine entsprechende Steuerpolitik.

Geht man davon aus, dass die Staatsschulden 1,8 Billionen EURO betragen, bliebe immer noch ein Vermögen von 1,2 Billionen EURO übrig. Würde man darüber hinaus davon ausgehen, dass von den 3 Billionen EURO ca. 60% einer kleinen Oberschicht von 10% der Bevölkerung gehören, könnten allein diese 10% durch ihren „wertlosen“ Reichtum die Staatsschulden begleichen.

3 Billionen EURO * 0,6% = 1,8 Billionen EURO

Auch nach dieser Rechnung blieben für die bundesrepublikanische Bevölkerung noch mehr als 1 Billion EURO übrig, die man als „Altlast des Kapitalismus“ einfach hinnehmen müsste. In dieser Sichtweise platzt aber das Gerede über die Staatsverschuldung wie eine Seifenblase - die Bundesrepublik könnte innerhalb eines Jahres schuldenfrei sein!

Natürlich ist es ein katastrophales Versagen des Sozialstaates, dass bei so viel Reichtum - der natürlich auch auf andere Weise als durch Schuldentilgung verbraucht werden könnte - überhaupt von Armut in der BRD gesprochen werden muss, aber inzwischen ist für viele Menschen die Armut bittere Realität geworden. Ich fürchte jedoch, dass dies deswegen so gekommen ist, weil der technische Fortschritt noch immer nicht als das begriffen worden ist, was er ist: eine ZEITENWENDE, die uns zwingt, ein neues Wirtschafts- und Gesell-schaftsverständnis zu entwickeln, das die alten Vorstellungen weit hinter sich zurück lassen muss. So stellt sich z. B. die Frage, wie wir das Ideal der Leistungsgesellschaft aufrecht erhalten können, wenn mehr und mehr die Maschinen „arbeiten“? Kann es dann „Leistungslohn“ überhaupt noch geben? Müssten nicht eigentlich alle Menschen einen gleichen „Lohn“ bekommen – und das selbst dann, wenn sie nicht gearbeitet haben?

Weiterhin: ist die neoliberale Vorstellung, dass es nur das Individuelle und nicht auch das ALLGEMEINE gibt, möglicherweise doch falsch? „Nein“, hat Frau Thatcher schon vor Jahren gesagt, „es gibt keinen Wald, es gibt nur Bäume“. Oder schlimmer noch: „Es gibt keine Gesellschaft, es gibt nur Individuen“. Darüber steht dann die Behauptung: TINA – there is no alternative.

Doch ist es wirklich so?

 

2. Der QUADRATISCH KONTRAHIERTE ZAHLENSTRAHL nB

 Es gibt eine Alternative, wenn man einen Paradigmenwechsel zulässt, der sich an der Relativitätstheorie orientiert. Um sie zu ermöglichen, muss die Relativitätstheorie allerdings in einer anderen mathematischen Sprache beschrieben werden. Meine Überlegungen zu einem „Relativistischen Wirtschaftssystementhalten im Hinblick auf die Relativitätstheorie inhaltlich nichts Neues. Ich habe nur einen anderen Weg gefunden, mit denen die bekannten Ergebnisse der speziellen Relativitätstheorie erreicht werden können. Aber allein der Gedanke, die relativistischen Prinzipien auf „die Welt, in der wir leben“ beziehen zu wollen, ist wahrscheinlich so neu, als hätte die Menschheit noch niemals etwas von der Relativität in der Natur gehört.

Die Physiker haben die Geltung der Relativitätstheorie auf den Makrokosmos und den Mikrokosmos beschränkt. Für den Mesokosmos, also für die Welt, in der wir leben, soll sie keine Gültigkeit haben. Nach den Regeln unserer (abendländischen) Logik wird es vielleicht auch so sein, doch können wir wirklich sicher sein, dass wir alle Regeln der Logik kennen? Es gibt Kulturkreise, die andere Logiken hervorgebracht haben, die darüber hinaus Strukturen aufweisen, auf die gerade die Physiker zur Erklärung ihrer unanschaulichen mathe-matischen Modelle gerne zurückgreifen. Hat vielleicht das „relativistische Gleichgewicht“ bloß deshalb in unserem „mittleren Kosmos“ keine Gültigkeit, weil wir im christlich-abendländischen Kulturkreis bestimmte Prinzipien einfach ignorieren?

Es könnte sein, denn zum Beispiel steht der Satz von der EINHEIT DER GEGENSÄTZE zwar im Zentrum der dialektischen Philosophie, doch welche Bedeutung hat dieser Satz für das westliche Selbstverständnis heute noch? Er ist in völlige Bedeutungslosigkeit versunken - wie die gesamte dialektische Philosophie selbst.

Allerdings sehr zu Unrecht, wie ich meine, denn der Satz scheint bestens geeignet, physikalische Phänomene zu beschreiben. Ich habe meine physikalischen Überlegungen unter das dialektische Prinzip der EINHEIT DER GEGENSÄTZE gestellt, dabei aber die Gegensätze im Sinne einer „EINHEIT DER GEGENSÄTZLICHEN STANDPUNKTE" aufgefasst. Den Standpunkten konnte ich jeweils Zahlenstrahle zuordnen, die zwar von einander verschieden, aber paradoxerweise auch miteinander identisch waren.

Ein Zahlenstrahl (hier als NB bezeichnet) ist bekanntlich ein mathematisches Gebilde, das geradlinig von Null bis in die Unendlichkeit reicht. Vermutlich ist noch niemals jemand auf die Idee gekommen, aus diesem Zahlenstrahl die Wurzel zu ziehen und darin einen zweiten Zahlenstrahl zu sehen, mit dem man rechnen kann. Ob dies auch Physiker so sehen, wage ich aus einem sehr einfachen Grund zu bezweifeln: den QUADRATISCH KONTRAHIERTEN ZAHLENSTRAHL nB

 

habe ich frei erfunden. Aber nicht in dem Sinne, wie ein Erfinder etwas erfindet, sondern in dem Sinne, wie ein Suchender etwas findet. Denn diesen Zahlenstrahl hat es schon immer gegeben.

Anschaulich lässt sich die vorstehende Formel durch das nachfolgende Schaubild darstellen.

[2]

Auf der y-Achse sind die Vielfachen der Erdradien aufgetragen, auf der x-Achse die Abnahme der Gewichtskraft mit der Entfernung vom Erdmittelpunkt. Dabei zeigt sich, dass die Abnahme bei 2r auf 1/4, bei 3r auf 1/9 und bei 4r auf 1/16 des Ausgangswertes zurückgegangen ist. Hier habe ich angenommen, dass die „wirkliche“ Ausdehnung des Raumes dem Quadrat der Entfernung vom Erdmittelpunkt (Angaben auf der y-Achse) entspricht. Die „wirkliche“ Ausdehnung des Raumes habe ich, bedingt durch die Auseinandersetzung mit der marxistischen Arbeitswertlehre, als den „Zahlenstrahl NB des ALLGEMEINEN ÄQUIVALENTS“ bezeichnet, d. h. ich habe NB als einen Zahlenstrahl aufgefasst, aus dem dann, wenn aus ihm die Wurzel gezogen wird, der Zahlenstrahl nB wird, der den Vielfachen der Erdradien entspricht. Während also NB die „wirkliche“ Ausdehnung des Raumes verkörpert, entspricht nB der „Erscheinungsebene“ des Raumes.

Mit diesem von mir hypothetisch angenommenen Zusammenhang

 

lässt sich jedoch erstaunlich gut rechnen.

Der Zahlenstrahl NB besitzt in der Form seines Kehrwertes eine mathematische Eigenschaft, die ebenso einfach wie wahrscheinlich auch unglaublich ist: er verkörpert als Kehrwert die Sinuswerte im EINHEITSKREIS, aus denen dann mit Hilfe des Taschenrechners auf einfachste Weise die Winkel ermittelt werden können.

 

Hier zeigt sich deutlich, dass der Zahlenstrahl NB eine Eigenschaft besitzt, der möglicherweise bisher zu wenig oder gar keine Bedeutung beigemessen wurde. Der mathematische Zusammenhang ist aber eindeutig: setzt man in die Funktion NB = 2 ein, erhält man den Wert 0,707106781, der im Einheitskreis bekanntlich bei einem Winkel von 45° entsteht.  

 

Das heißt allerdings auch, dass man jedem Wert auf dem Zahlenstrahl NB einen Winkel zuordnen kann.

Nach der bekannten Formel

 

entsteht dann der Kosinus 

 

Folglich gibt es zwei identische Gleichungen:

 

Erkennt man in den nachfolgenden Gleichungen

 

 die mathematische Beschreibung im Einheitskreis, folgt daraus

 

 Stellt man die neuen Funktionen für Sinus und Kosinus über dem Zahlenstrahl NB dar, erhält man das folgende Diagramm:

 

 Diese Zusammenhänge haben mich auf den Gedanken eines quadratisch „eingefalteten Raumes" gebracht.

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Eine kurze philosophische Einfügung:

Ernst Bloch schreibt in seinem Buch „Subjekt-Objekt, Erläuterungen zu Hegel“, dass der Anfang der Logik bei Hegel durch einen völlig „wild“ erscheinenden Satz ausgedrückt wird: „»Sein und Nichts sind dasselbe.« [ ... ] Hegel meint mit dem Sein auf dieser seiner ersten Stufe das ganz und gar leere Ist, das wegen dieser Leere inhaltlich nichts anderes ist als das Nichts. Beide sind dasselbe, doch sie sind, wie das Stutzen des Denkens an dieser seiner ersten abstrakten Gestalt anzeigt, doch ebenso nicht dasselbe. Leeres Sein und leeres Nichts sind ungetrennt und unteilbar, doch so beschaffen, dass »jedes in seinem Gegenteil verschwindet«.

In der Natur scheint es ganz ähnlich zu sein. Was geschieht z. B. mit der potentiellen und der kinetischen Energie an ihren Extrempunkten? Wo befindet sich die kinetische Energie, wenn ein Körper auf eine bestimmte Höhe gehoben worden ist? Dort herrscht die Energie der Lage vor, also die potentielle Energie. Aber wenn die kinetische Energie nicht „weg“ sein kann, wo ist sie dann? Etwa „in“ der potentiellen Energie?

Ernst Bloch schreibt weiter: „Dieses Verschwinden des Einen in dem Andern gibt zu Sein und Nichts bei Hegel das dritte, dialektisch verbindende Moment: das Werden. Das Werden ist die Einheit von reinen Sein und reinem Nichts, doch, da keine Einheit bleibt, und in der hier beschriebenen Urzelle der Dialektik am wenigsten, so ist auch die relative Einheit des Werdens wieder geteilt. Als Übergang vom Sein zum Nichts ist das Werden Vergehen, als Übergang vom Nichts zum Sein ist es Entstehen."

Deshalb ließe sich in Analogie zu Ernst Blochs Formulierung der Verlauf des Kosinus als ein „Werden“ interpretieren, das den Übergang vom Nichts zum Sein als Entstehen beschreibt, während gleichzeitig der Verlauf des Sinus ein „Werden“ kennzeichnet, das den Übergang vom Sein zum Nichts als Vergehen auffasst. Das „Werden“ umfasst bei Hegel beides: Entstehen und Vergehen.

In der Darstellung über dem Zahlenstrahl NB befinden sich Entstehen und Vergehen zu jedem Zeitpunkt in einem Gleichgewicht. Das „Werden“ ist aber ein dynamischer Vorgang, so dass aus dem statischen Gleichgewicht ein Fließgleichgewicht wird. Das SEIN (blaue Linie) wächst in Richtung NB = ∞ zum vollen SEIN an, im Prozess des Vergehens (rote Linie) entsteht von NB = ∞ in Richtung NB = 1 das NICHTS als restlos leeres SEIN. Das SEIN entwickelt sich aber stets im Diesseits, das VERGEHEN vollzieht sich dagegen in einer „anderen Welt“, die entsprechend als Jenseits bezeichnet werden könnte, wobei das Jenseitige nach dem Standortwechsel allerdings ebenfalls im Diesseits liegt. In diesem Sinne bilden das Diesseitige und das Jenseitige eine Einheit, die nach Heraklit „für den Toren Widerspruch bildet, für den Weisen sich aber entpuppt als ein Zusammenhang, der ewig ist und der nicht duldet, das eine der beiden Sei­ten die andere verschlingt“ (Pietschmann, Herbert: Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, 1990, S.75/76)

Diese Einheit kann mit der mathematischen EINHEIT „in der höheren Ebene“ verglichen und in letzter Konsequenz als EWIGES SEIN aufgefasst werden. Doch über das, was in der Unendlichkeit liegt, kann weder gesagt werden, „dass es IST, noch dass es NICHT IST“.

Man könnte deshalb vermuten, dass es so etwas wie eine dialektische Mathematik gibt, die aber in der dialektischen Philosophie noch eine besondere Wendung erfährt. Aus den mathematischen Standpunkten, die eher gleichwertig erscheinen, werden dort einerseits individuelle Standpunkte, denen aber andererseits ALLGEMEINE Standpunkte gegen-über treten. In den „physikalischen Grundlagen“ habe ich gezeigt, dass die blaue Linie die Fluchtgeschwindigkeit repräsentiert, die eine jede Zentralmasse, z. B. auch die Sonne, besitzt. Für das Sonnensystem - so ist man versucht zu sagen - verkörpert sie das ALLGEMEINE. Die rote Linie steht dagegen für die MÖGLICHKEIT den Planeten Umlaufbahnen zu bieten, die aber erst durch materiell konkrete Planeten WIRKLICHKEIT werden. Insofern könnte schon in dieser Konstellation der dialektische Widerspruch zwischen dem EINZELNEN und dem ALLGEMEINEN angelegt sein.

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Obwohl ich die oben neu abgeleiteten Formeln bisher in keinem Physikbuch gefunden habe (hoffentlich habe ich nicht doch eins übersehen), werden sie in anderer Form längst verwendet. Sie entstehen, wenn mit dem „Gamma-Faktor“ der Relativitätstheorie bzw. seinem Kehrwert gerechnet wird.  

 

 3.  Die Relativitätstheorie im Einheitskreis

Um die Veränderungen des Gamma-Faktors – hier in der Form seines Kehrwertes - bei verschiedenen Geschwindigkeiten zeigen zu können, habe ich willkürlich Geschwindigkeiten im Abstand von 30 000 km/sec ausgewählt.

 

 Es entsteht ein Quadrant des EINHEITSKREISES. Betrachtet man die dem Diagramm nebenstehende Tabelle, fällt an der Stelle i = 5 besonders die Zahl 0,86603 auf. Sie stellt mit 0,866025404 exakt den Sinus-Wert des Winkels a = 60° im Einheitskreis dar und liefert den eindeutigen Beweis, dass der Kehrwert des Gamma-Faktors nichts anderes als die Werte des Sinus im Einheitskreis darstellt. Fügt man in den Quadranten ein Dreieck ein, kann leicht nachgewiesen werden, dass das Quadrat des Verhältnisses v/c in der bekannten Formel von Albert Einstein dem Quadrat von cos(x) entspricht.  

 

Wenn die Hypotenuse (der Radius) die Lichtgeschwindigkeit c verkörpert und auf der Ankathete die Geschwin-digkeiten v (bzw. vi) liegen, führt das Verhältnis Ankathete (A) zu Hypotenuse (H) zu cos(x). Da nun die Verhältniswerte von vi/c zu den Werten von cos(x) führen, müssen die Ergebnisse der Formel y(i) die Werte von sin(x) wiedergeben. Rechnet man mit Einsteins Formel ohne einen konkreten Wert für das Ruhesystem einzusetzen, tritt der einfache geometrische Zusammenhang deutlich hervor.


Von diesem Zusammenhang kann sich jeder, der einen Taschenrechner besitzt, selbst überzeugen. In Nigel Calders Buch „Einsteins Universum“ habe ich folgende Angaben[3] gefunden.

 

In der nachfolgenden Tabelle sind in der linken Spalte die Relativ­geschwindig­keiten vR in Prozent der Licht-geschwindigkeit angegeben. Die  Relativ­geschwindig­keiten vR habe ich in der Formel für den Gamma-Faktor mit vi bezeichnet. Setzt man die vi-Werte ein, ergeben sich die in Nigel Calders Buch angegebenen Werte. Um die Werte des Gamma-Faktors mit den Werten aus Calders Buch vergleichen zu können, habe ich die Ergebnisse auf drei Stellen hinter dem Komma begrenzt.[4] Man braucht jetzt nun nur vom Gamma-Faktor den Kehrwert zu bilden, und man erhält die von mir über die Geometrie des Einheitskreises gefundenen Werte y(i).

 

Wenn die Ergebnisse so genau übereinstimmen, dann wird man sich wohl kaum gegen die Einsicht sperren können, dass der Kehrwert des Gamma-Faktors den Werten des Sinus im EINHEITSKREIS entspricht. Im Einheitskreis ist aber JEDER beliebige Radius erlaubt. Die Relativitätstheorie hat demnach einen größeren Gültigkeitsbe­reich als bislang angenommen: Sie ist NICHT an die Lichtgeschwindigkeit gebunden!

Genau hier stehe ich fassungslos da und reibe mir die Augen: Ich kann es nicht glauben, dass die Physiker diesen einfachen Zusammenhang „übersehen“ haben könnten, doch ich habe bisher in keinem Physikbuch einen Hinweis darauf finden können.

(Im Internet habe ich allerdings inzwischen zu der hier vorgestellten Geometrie ähnliche Überlegungen gefunden, die mich in meinen Überlegungen bestärkt haben.)

Doch was hat Herr Kant gesagt?

„HABE MUTH, DICH DEINES EIGENEN VERSTANDES ZU BEDIENEN“

Also gut, ich lasse mich nicht beirren und mache einfach weiter.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass mit dem Wert 0,70710678 im EINHEITSKREIS ein Winkel berechnet werden kann. Wenn jedoch der Wert von 0,70710678 auf dem Zahlenstrahl NB des ALLGEMEINEN ÄQUIVALENTS bei NB = 2 zum Winkel 45° führt, kann – wie weiter vorn schon angedeutet - jedem Wert von  NB = 1 bis NB = unendlich  ein Winkel zugeordnet werden.

 

 Die Darstellung im EINHEITSKREIS ermöglicht nun sowohl für die träge Masse mT als auch für die gedehnte Zeit eine neue mathematische Schreibweise.

 Träge Masse

 

Gedehnte Zeit

 

Beschreibt man die Dehnung der Zeit mit den Begriffen der Relativitätstheorie, nimmt jetzt die träge Masse bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit nach dem Faktor „Wurzel aus NB“ zu. Ebenfalls dehnt sich die Zeit mit zunehmender Relativgeschwindigkeit vR nach dem Faktor „1/Wurzel aus NB“. Aus entsprechenden Dia- grammen kann unmittelbar abgelesen werden, dass mit zunehmender Relativgeschwindigkeit die Dehnung der Zeit zunimmt. Bei vR = 180000 km/s wäre im bewegten System die Sekunde zu 80% abgelaufen, bei vR = 240 000 km/s erst zu 60%. (Die Prozentzahlen entsprechen den Sinuswerten, die zwischen 0 und 1 liegen, wenn sie mit dem Faktor 100 multipliziert werden.) Vom Standpunkt des bewegten Systems aus gesehen, bedeutet dies aber, das zeitliche „Volumen“ des Ruhesystems nimmt zu, denn es besitzt nach einer Sekunde 120% bzw. 140% Zeit. Es ist also eine Frage des Standpunktes, ob die Zeit sich „dehnt“ oder in ihrem zeitlichen „Volumen“ zunimmt. (Letzteres kann man bei den Umlaufzeiten der Planeten nachweisen).

Albert Einstein hat die spezielle Relativitätstheorie bereits im Jahre1905 veröffentlicht und seitdem hat sie sich tausendfach bewährt. Aber die Vorstellung, die relativistischen Prinzipien auf „die Welt, in der wir leben“ beziehen zu können, widerspricht so grundsätzlich der allgemein vorherrschenden Lehrmeinung, dass diesen Gedanken wohl bisher niemand ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Trotzdem sollte Vorsicht geboten sein. Al Gore zitiert in seinem berühmt gewordenen Film „Eine unbequeme Wahrheit“ einen mindestens ebenso berühmt gewordenen Satz von Mark Twain: „Was uns Probleme macht, ist nicht das, was wir nicht wissen, sondern das, was wir mit Sicherheit wissen, was aber in Wahrheit falsch ist.“

Es muss jedoch betont werden: Nicht die Relativitätstheorie ist falsch, sondern nur die Überzeugung, die relativistischen Effekte seien an die Lichtgeschwindigkeit gebunden. Durch die Darstellung des „Gamma-Faktors“ im Einheitskreis bekommt die spezielle Relativitätstheorie einen sehr viel allgemeineren Charakter als es der Name „spezielle“ Relativitätstheorie erwarten lässt. Die Mathematik der Relativitätstheorie verliert durch diese Vorstellung nichts von ihrer Gültigkeit, es wandelt sich nur die Vorstellung vom Bild des „gekrümmten“ Raumes in ein Bild des „eingefalteten" Raumes, das ich als „Zweites Bild der Wirklichkeit" bezeichnet habe.

Indem nun die Dilatations- und Kontraktionsfaktoren der Relativitätstheorie als Größen des Einheitskreises erscheinen, gelten sie ALLGEMEIN und können deshalb auch auf WIRTSCHAFTLICHE Phänomene an- gewendet werden.


4. Die Analogie zwischen der Relativitätstheorie und der Arbeitswertlehre

Der Wert der Ware setzt sich nach Karl Marx aus zwei Faktoren zusammen: der Wertsubstanz und der Wertgröße. Die Wertsubstanz wird aus einem Quantum Arbeit (Arbeitsquantum) gebildet, die Wertgröße, die die Quantität der Arbeit bezeichnet, aus der Zeit.

Es soll angenommen werden, das in 10 Stunden Arbeitszeit EINE WARE hergestellt worden ist. Wird die Anzahl der pro Aus­gangs­zeit­raum hergestellten Waren mit N bezeichnet, kann die in der Ware enthaltene Arbeit folgendermaßen mathematisch erfasst werden.

 

Da in der Relativitätstheorie die gedehnte Zeit mit t` (sprich: t Strich) angegeben wird, habe ich den Wert der Ware (Wertgröße) mit t" (sprich: t zwei Strich) gekennzeichnet. Dies soll andeuten, dass mit t" zwar eine gedehnte Zeit vorliegt, die sich aber von der gedehnten Zeit der Relativitätstheorie un­terscheidet. Diese Zeit habe ich in Anlehnung an die Relativitätstheorie als DOPPELT GEDEHNTE ZEIT t" bezeich­net.

Mit t" ist nach Marx der Wert der Ware - also die pro Ware verkör­perte Arbeitszeit - als zeitliche Wertgröße gegeben, die sich in den Dimensionen der Zeit wie Sekunde, Minute, Stunde usw. aus­drücken lässt. In der vorstehenden Formel gibt t0 den Ausgangszeitraum für die Herstel­lung EINER Ware an. So, wie man sich nun ein Quantum Arbeit vorstellen kann, kann man sich ebenso ein Quantum Zeit vorstellen. Dieses Quantum Zeit ist aber infinitesimal klein (vergleichbar der Zeit in der Differentialrechnung). Bekommt diese unendlich kleine Zeit einen konkreten Wert, z. B. t0 = 10 h zugewiesen, entsteht eine EIGENZEIT, die, mit dem Kehrwert der Zählgröße N multipliziert, die Wertgröße t" ergibt.

N gibt die Anzahl der in einem Zeitraum hergestellten Waren an und ist zunächst N = 1. Der Wert der Ware errechnet sich mit

     

Die pro Ware enthaltene Arbeitszeit beträgt, wie vorausge­setzt, volle 10 Stunden. Aber wie verhält sich nun die Zeit t" bei einer zunehmenden Anzahl N hergestellter Waren? Steigt die Arbeitsproduktivität (z. B. bedingt durch den technischen Fortschritt) von einer auf zwei Waren während eines zehnstündi­gen Arbeitsta­ges, dann sind in EINER Ware nur noch  5 Stunden „festge­ronnener" Ar­beits­zeit ent­halten.

 

Bezogen auf den Ausgangszeitraum würden in der gleichen Zeit zwei Waren hergestellt, deren GESAMTWERT der gleiche wäre, wie der Wert der ersten Ware. Der Wert jeder einzelnen Ware ist dabei auf die Hälfte gesunken. Würden drei Waren im gleichen Ausgangs­zeitraum gefertigt, besäße jede einzelne Ware den dritten Teil des Gesamtwertes. Alle drei Waren zusammen wären wieder genauso viel Wert, wie die erste Ware.

Wie dem Beispiel zu entnehmen ist, geht der marxisti­sche An­satz der Arbeitswertlehre von einer KONSTANT BLEIBENDEN ARBEITS­ZEIT t0 aus, die sich auf die hergestell­ten Waren verteilt. Die Wertgröße selbst wird durch Multiplikation der Ausgangszeit t0 (Eigenzeit) mit dem Kehrwert einer universellen Zählgröße N - also dem „Zahlenstrahl NB des ALLGEMEINEN ÄQUIVALENTS“ - gebildet. Dieser Gedanke ist so stark an die Relativitätstheorie angelehnt, das man Zweifel bekommen könnte, wer die Relativitätstheorie zuerst gedacht hat: Albert Einstein oder Karl Marx? Bei der Bestimmung der gedehnten Zeit in der Relativitätstheorie gibt es ebenso eine konstant bleibende Zeit: die EIGENZEIT tR IM RUHESYSTEM. Und auch sie wird durch einen Faktor – den Dehnungsfaktor – verändert, der sich nur dadurch vom Zahlenstrahl N unterscheidet, dass aus ihm die Wurzel gezogen werden muss.

Im "relativistischen Wirtschaftssystem" (siehe Dateidownload oben) habe ich in Kapitel 5.7 "Der Arbeit-Zeit-Kosmos" den Übergang von der "doppelt" gedehnten Zeit t" zur "einfach" gedehnten Zeit der Relativitätstheorie entwickelt. Unter Berücksichtigung der bei einer Geschwindigkeitsänderung pro Zeiteinheit auftretenden Beschleunigung lautet die Formel für die "doppelt" gedehnte Zeit t"

                                                                                              t 0^2

                                                                                      t" =  ------

                                                                                                 N

In dieser Formel erscheint die Zeit t0 als eine quadratische Größe. In unserer physisch erlebbaren Welt gibt es allerdings keine quadratische Zeit. Die braucht es aber auch nicht zu geben, denn die DOPPELT GEDEHNTE ZEIT t" kann durch radizieren in die „einfach“ gedehnte Zeit der Relativitätstheorie überführt werden.

         t0

  t´ = ------

       √N

Dadurch gerät der Zahlenstrahl N bzw. NB unter die Wurzel.


Wird aus NB die Wurzel gezogen und wie in der vorstehenden Form als Kehrwert geschrieben, erhält man die gleichen Werte, die in der Relativitätstheorie die Dehnung der Zeit bewirken. Die Anzahl N bzw. NB der in einem Zeitraum hergestellten Waren ermöglichen somit einen Vergleich mit der Relativitätstheorie im Einheitskreis und lassen dadurch die Dehnung der Zeit erkennen. Die Zeit  t0 = 10h, die für die Herstellung der ersten Ware benötigt wurde, entspricht also der Eigenzeit tR in der Relativitätstheorie.

Man kann sagen: die Analogie zwischen der Relativitätstheorie und der Arbeitswertlehre ist nur deswegen möglich, weil der "Gamma-Faktor" der Relativitätstheorie in eine andere Schreibweise überführt worden ist und dadurch die Dehnung der Zeit im EINHEITSKREIS dargestellt werden konnte.


5.   Der Arbeit-Geld-Kosmos


Der abstrakte Masse-Zeit-Kosmos

 

In der Physik lässt sich ein Masse-Zeit-Kosmos nachweisen. In der vorstehenden Form fehlen aber die konkreten Größen, so dass von einem abstrakten Kosmos gesprochen werden kann. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass in diesen Kosmos auch andere konkrete Größen eingesetzt werden können.

Erstaunlicherweise läßt sich in der marxistischen Arbeitswertlehre in Analogie dazu einen Arbeit-Zeit-Kosmos finden. In der Interpretation der marxistischen Arbeitswertlehre habe ich das Produkt aus der „Zahl der Beschäf­­­tigten i“ multipliziert mit der „Zahl der Arbeits­stunden t“ als „Arbeitszeitfläche tA“ bezeichnet.

 

Fügt man jetzt die abstrakten Faktoren des Einheitskreises ein, wird die Analogie mehr als deutlich.

 

 WIRD DIE ARBEITSINTENSITÄT GRÖSSER, WIRD DIE ARBEITSZEIT GEDEHNT!

Eigentlich wird in der vorstehenden Formel durch den Wurzelausdruck die Anzahl der Arbeiter erhöht, was aber letztlich einer Erhöhung der Arbeitsintensität entspricht. Wird jedoch die Arbeitsintensität durch den technischen Fortschritt erhöht, anstatt durch die vergrößerte Anzahl der Arbeiter, wird es deutlich, warum der technische Fortschritt in MENSCHLICHER Arbeitszeit gedacht werden muss: es wird zwar die Produktivität erhöht, aber nicht durch die Arbeit von Menschen, sondern durch Maschinen (und anderen Technologien). Wird nun die Arbeitszeit, die gesellschaftlich nicht mehr benötigt wurde, in MENSCHLICHER Arbeitszeit gedacht, entsteht eine Situation, in der – wie in der Physik - eine Dehnung der Zeit erforderlich wird.

Diese Vorstellung konnte bisher vermutlich aus zwei Gründen nicht entwickelt werden:

   1. verhinderte dies die offensichtlich falsche Annahme, die Relativitätstheorie sei an die Lichtgeschwindigkeit gebunden und deshalb nur im Makro- bzw. Mikrokosmos anwendbar.

   2.  ist der von mir so benannte QUADRATISCH KONTRAHIERTE ZAHLENSTRAHL nB in der Wissenschaft – zumindest in dieser Form – nicht bekannt.

Würde der Zahlenstrahl nb = Wurzel aus NB aber in der Wirtschaftswissenschaft akzeptiert, könnte in einer relativistischen Sichtweise das unlösbar scheinende Problem der ARBEITSLOSIGKEIT durch TECHNISCHEN FORTSCHRITT einer einfachen Lösung zugeführt werden. Diejenigen, die durch den technischen Fortschritt arbeitslos geworden sind, könnten dann mit Zeit, und das heißt: mit Geld versorgt werden.

Die relativistischen Faktoren können durch einen Standortwechsel vertauscht werden: soll für eine Anzahl von Arbeitslosen die Geldmenge erhöht werden, kann dies mit dem Ausgleichsfaktor erfolgen.

 

Geht man nun von dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) als dem in Geld ausgedrückten Wert aller Güter und Dienst-leistungen aus, ist vergleichbar dem Arbeit-Zeit-Kosmos ein Arbeit-Geld-Kosmos vorstellbar, in dem durch die Ausgleichsfaktoren stets Gleichgewicht herrscht. 

 

(BIP = der in Geld ausgedrückte Gegenwert des Bruttoinlandsproduktes)

In der Form der Arbeit-Geld-Fläche kann nun die Anzahl der in der Erwerbsarbeit tätigen Arbeitnehmer problemlos zurückgehen (salopp gesagt: hier werden die Arbeiter gedehnt), denn wenn jetzt, bedingt durch den technischen Fortschritt Arbeitslosigkeit entsteht, kann als Ausgleich die gesellschaftliche Arbeitszeit und damit die Geldmenge erhöht werden. In dieser relativistischen Sichtweise braucht keine einzige Arbeitslosenstatistik mehr geschönt zu werden, im Gegenteil: jeder Arbeitslose, in welcher Form auch immer, muss akribisch gezählt werden, sonst würden sich die Menschen selbst betrügen.

Aber auch dann, wenn Arbeitslosigkeit deshalb entsteht, weil Betriebe aus Gründen zu hoher Schadstoff-emissionen geschlossen werden müssen, kann nach dem gleichen Prinzip verfahren werden. Man kann sofort die Geldmenge errechnen, die jetzt den Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden muss. Dies kann natürlich nur im Vergleich mit dem BIP, also dem in Geld ausgedrückten Gegenwert von Gütern und Dienstleistungen, geschehen, denn was nicht produziert worden ist, kann nicht gekauft werden. Sollte diese Situation eintreten, muss VERZICHT geübt werden.

In der praktischen Anwendung der Arbeit-Geld-Fläche könnte dann bei der „Dehnung der Zeit“  auf die relati-vistische Mathematik durchaus verzichtet werden. Die gesellschaftlich eingesparte Arbeitszeit lässt sich in einer linearisierten Betrachtungsweise auch mit Hilfe der Prozentrechnung ermitteln. Die Darstellung der Relati-vitätstheorie im Einheitskreis wird aber an der Stelle unverzichtbar, wo sie die Existenz von Kosmen der Art des Masse-Zeit-Kosmos in der Natur und analog dazu in der Wirtschaft einen Arbeit-Geld-Kosmos aufzeigen kann. Diese Zusammenhänge müssen im Sinne der dialektischen Theorie als Begriffspaare aufgefasst werden, die sich Gegenseitig ausschließen UND voraussetzen. Die marxistische Arbeitswertlehre in Verbindung mit der Relativitätstheorie könnte so einen Ausweg aus dem selbstmörderischen Wachstumszwang der Industrie-nationen weisen.

Wichtig ist, dass man von einem Ausgangsjahr (wie z.B. dem Jahr 1960) ausgeht (physikalisch: das Ruhesystem), den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes über einen entsprechend langen Zeitraum dokumentiert und die „Entwicklung des Arbeitseinsatzes“ (Verringerung der gesellschaftlichen Arbeitszeit) in Prozent angibt, um die verringerte menschliche Arbeitszeit in zusätzliche menschliche Arbeitszeit umrechnen zu können, die so als Grundlage für ein Grundeinkommen dienen kann. Das statistische Bundesamt in Wiesbaden hätte somit in Zukunft eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen: die „Entwicklung des Arbeitseinsatzes“ genau zu dokumentieren – was für das Bundesamt jedoch keine wirklich neue Aufgabe darstellen würde (siehe obiges Schaubild).

Die in Anlehnung an die Masse-Zeit-Fläche gebildete Arbeit-Geld-Fläche ist wie der Raum-Zeit-Kosmos und entsprechend der Masse-Zeit-Kosmos ein statisches Gebilde, denn die Wurzelfaktoren heben die Ver- änderungen gegenseitig auf. Es erscheint paradox: die Welt ist statisch UND dynamisch zugleich. Größen dieser Art müssen im Sinne der dialektischen Theorie als Begriffspaare aufgefasst werden, die sich gegenseitig ausschließen UND voraussetzen. Zeit - und damit Geld - ist einerseits eine von der materiellen Dimension vollkommen unabhängige Dimension. Sie existiert nur für sich (Im Hinblick auf das Geld ist diese verabsolutierte Sichtweise ist der Irrtum, dem die Börsianer und Spekulanten aufgesessen sind). Aber auch die materielle Dimension existiert nur für sich; die Materie kennt keine Zeit, sie ist einfach nur da. Zeit ist aber der RAUM zwischen periodisch wiederkehrenden Ereignissen (Zeitraum!), die konkret sein müssen, sonst wären sie nicht wahrnehmbar. Insofern kann es keine Zeit ohne Materie geben - beide Begriffe schließen sich aus UND setzen sich gegenseitig voraus. Ersetzt man die Zeit durch den Begriff Geld, muss es genauso wie die Zeit mit der materiellen Dimension zusammen gedacht werden. Das heißt: Geld ist der immaterielle Ausdruck materieller Größen. Dieser Zusammenhang (der leider nicht mehr gesehen wird), ist der "Kitt", der die Welt zusammenhält. Dies dürfte wohl auch Auswirkungen auf unser naturwissenschaftliches Weltbild haben, denn Paradoxien dieser Art stehen in Widerspruch zur Aristotelischen Logik und können nur mit Hilfe des dialektischen Denksystems und seines Grundprinzips von der EINHEIT DER GEGENSÄTZE sinnvoll gedeutet werden. Aber seitdem Albert Einstein die relativistischen Faktoren (den Gamma-Faktor) in die Physik eingeführt hat, ist diese Konsequenz wohl unausweichlich geworden.

VERÄNDERUNGEN werden aber erst dann erkannt, wenn Raum und Zeit bzw. Masse und Zeit und folglich auch die Anzahl der Arbeiter i und die Zeit (bzw. das Bruttoinlandsprodukt BIP) EINZELN betrachtet werden.

 

6.  Der technische Fortschritt als "eingesparte" gesellschaftliche Arbeitszeit

 Die nachfolgende Grafik von Horst Afheldt aus seinem Buch „Wirtschaft, die arm macht“ zeigt das Wachstum der Wirtschaft (BIP: Bruttoinlandsprodukt) in der Bundesrepublik von 1950 bis zum Jahr 2000.[5]    
 

 

Hier könnte man sagen, hat Horst Afheld den Wirtschaftswissenschaftlern im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung gemacht: er betrachtet das Wachstum der Wirtschaft als ein lineares Wachstum. Zur Erläuterung der Grafikschreibt er:

 Lineares Wachstum bedeutet, dass jedes Jahr (etwa) die gleiche Summe zum Sozialprodukt hinzukommt. Gemessen am seit mehr als fünfzig Jahren kontinuierlich jedes Jahr wachsenden Sozialprodukt wird diese Zusatz-Summe aber prozentual immer kleiner. So wuchs das jährliche Sozialprodukt der Bundesrepublik in jedem Jahrzehnt seit 1950 um ungefähr denselben Betrag: ca. 500 Mrd. DM. Aber 1960 waren das rund 500 (540) Mrd. DM, die in zehn Jahren zu dem Sozialprodukt von 1950 von 456 Mrd. DM hinzugekommen waren,- und das sind etwa 120 % mehr in zehn Jahren oder ein durchschnittliches Wachstum von zwölf Prozent im Jahr. Von 1990 bis 2000 kamen ebenfalls rund 5oo (472) Mrd. DM hinzu, doch die addierten sich jetzt zu einem BIP in Höhe von 2520 Mrd. DM. Und von 2520 Mrd. DM sind 472 Mrd. DM nur noch rund 19 %. 19 % in zehn Jahren sind 1,9 % pro Jahr.

 Für die ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends wird das Wachstum der Wirtschaft der BRD nach demselben Gesetz des linearen Wachstums nur noch 1,6 % per Jahr betragen. Dieser Durchschnitt des Jahreswachstums über die kommenden Jahre liegt nach allen bisherigen Erfahrungen fest. Die Wachstumsraten der einzelnen Jahre dagegen nicht. Sie können über einige Jahre durchaus deutlich über oder unter diesen Durchschnittswerten liegen. Über lange Zeiträume führt lineares Wachstum aber unvermeidlich immer näher an Nullwachstum heran.[6]

Das von Horst Afheldt dargestellte lineare Wachstum ermöglicht noch eine weitergehende Darstellung. Um den Grundgedanken leichter verständlich zu machen, werde ich mit den gerundeten Werten rechnen. Wenn in 10 Jahren 500 Mrd. DM zum Bruttoinlandsprodukt BIP hinzugekommen sind, bedeutet dies einen jährlichen Zuwachs von 50 Mrd. DM.

  y(N) = 500 + N*50 

(in Mrd. DM)

Obwohl  die Produktivität (das Bruttoinlandprodukt BIP) fast linear angestiegen ist, stellt sich der Verlauf der WachstumsRATEN doch anders dar. Die abnehmenden Wachstumsraten können nach der Prozentformel bestimmt werden.


Obwohl das Wachstum des BIP linear angestiegen ist, haben die jährlichen Wachstumsraten nach vorstehender Kurve abgenommen. Jetzt wird es unmittelbar deutlich, warum wir in den Jahren um die Jahrtausendwende ein Wachstum von ca. 1,6% gehabt haben. Vor dem Hintergrund dieser einfachen geometrischen Beziehung wird jedes Gerede vom kommenden wirtschaftlichen Aufschwung zur dümmlichen Faselei, denn hier hat keineswegs irgendjemand seine „Hausaufgaben“ nicht gemacht, sondern dieses Wachstum musste unter der Voraus- setzung des linearen Wachstums des BIP´s zwangsläufig eintreten und wird auch in Zukunft weiter abnehmen. Gerade wegen des linearen Anstiegs bilden sich Wachstumsraten aus, die asymptotisch  gegen Null gehen.

Dividiert man nun P(N) durch 10, kann dieser Verlauf auch über dem Zahlenstrahl NB dargestellt werden.

 

Mit der im obigen Diagramm rot gezeichneten Kurve 1/NB = sin(x)^2 sind die realen abnehmenden Wachs-tumsraten der Volkswirtschaft gegeben. Indem sie aber über dem Zahlenstrahl NB dargestellt werden können, sind sie enttarnt als ABSTRAKTE WERTE DER WAREN. Das heißt, hier liegt die in den Waren verkörperte abstrakte Arbeit vor, die sich nur in ihrem Gegenteil - der Zeit - als Wertgröße zeigen kann. Die Wachstumsraten ermöglichen so wie die Anzahl N bzw. NB der in einem Zeitraum hergestellten Waren einen Vergleich mit der Relativitätstheorie im Einheitskreis und lassen dadurch die Dehnung der Zeit erkennen.

Da die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im obigen Schaubild 14 (siehe vorne Kapitel "Die Zeitenwende") jedoch erst ab 1960 dokumentiert ist, muss angenommen werden, dass erst ab diesem Zeitpunkt durch den tech-nischen Fortschritt Arbeitszeit eingespart werden konnte. Unter Berücksichtigung dieses Sachverhalts gibt im nachfolgenden Diagramm daher NB = 1 das Jahr 1960 und NB = 4.6 das Jahr 1996 an. 

Betrachtet man noch einmal Schaubild 14 sieht man, dass der Arbeitseinsatz im Jahr 1960 ca. 56 Mrd. Stunden betragen hat. Um die gedehnte Zeit des Jahres 1996 zu ermitteln, kann nun der abstrakte Wert der Waren mit dem konkreten Wert für die Zeit multipliziert werden. Der abstrakte Wert der Waren - also die Wertgröße - kann wieder durch Multiplikation der Ausgangszeit (t0 = Eigenzeit) mit dem Kehrwert einer universellen Zählgröße N - also dem „Zahlenstrahl NB des ALLGEMEINEN ÄQUIVALENTS“ - gebildet werden. 

 

Die Differenz zwischen der roten und der blauen Linie an der Stelle NB = 4.6 entspricht der eingesparten Zeit (gleich 24,9%) im Jahr 1996. Ausgehend von 56*10^9 Arbeitsstunden im Jahr 1960 ergeben sich nach der relativistischen Modellrechnung für das Jahr 1996 13.936*10^9 eingesparte Arbeitsstunden - ein Wert, der es wohl erlauben sollte, die dem Diagramm entnommenen und grob geschätzten 13 Mrd. real eingesparter gesellschaftlicher Arbeitszeit als gedehnte Zeit zu interpretieren.

Dies ist Voraussetzung, um von der Wertgröße in der Dimension der Zeit in die Dimension des Geldes wechseln zu können. Den Zusammenhang zwischen Ware und Geld beschreibt Jürgen Neffe, der Autor von "Marx - der Unvollendete" 2017 auf Seite 408:

„Weil sich die Waren in seiner [Marx´- D.H.] Logik einerseits im Verhältnis ihrer Werte und gleichzeitig im Geldwert spiegeln, verbindet sie alle etwas, das sie selber nicht sind. Wie bei der abstrakten Arbeit, die das Schaffen von Schuster und Schmied auf einer höheren Ebene zusammenbringt, treffen sich Ware und Geld in einer gemeinsamen, imaginären Welt. In ihr ist die Ware Geld und das Geld Ware."

Der auf dem „inneren“ Zahlenstrahl NB liegende abstrakte Wert der Waren in Form der Wertgröße kann sich nun zum „äußeren“ Tauschwert wandeln. Der in Geld ausgedrückte Gegenwert des Bruttoinlandsproduktes des Jahres 1996 entspricht (im Prinzip) diesem „äußeren“ Tauschwert, der nun um die ermittelten 24, 9% erhöht werden kann. Damit hat man einen Geldwert gewonnen, der dem technischen Fortschritt äquivalent ist und folglich als GRUNDEINKOMMEN aufgefasst werden kann, das aber nicht einfach „irgendwie“ durch hin- und herschieben von Geld entstanden ist, sondern weiterhin an Arbeit gebunden bleibt - allerdings in einer neuen Form: der gesellschaftlichen Arbeit.


7.  Die Grenzbedingung

Das Jahr 1960 markiert den Zeitpunkt, von dem an gesellschaftlich eingesparte Arbeit dokumentiert werden konnte, obwohl die Produktivität weiter gestiegen war. Wenn aber unendliches Wachstum in einer endlichen Welt nicht möglich ist, muss die relativistische Sichtweise auf das wirtschaftliche Wachstum selbst angewendet werden. Die Frage dabei ist: gibt es einen Grenzwert für das wirtschaftliche Wachstum, der unbedingt einzu-halten ist?

Der Ausgangspunkt der Überlegungen war das linearisierte Diagramm von Horst Afheld gewesen. Betrachtet man in dem nachfolgenden Diagramm die blaue Linie aus der Seitenansicht von links nach rechts, ist nur eine senkrechte Linie zu erkennen, die von einem unterem Wert ( = 0 ) bis zu einem oberen Wert ( = 1 ) anwächst.

(Der Zahlenstrahl NB ist dann nicht erkennbar, er liegt in der "Tiefe". Der Einheitskreis ist durch die Koordinaten x und y als eine zweidimensionale Fläche beschrieben. Die dritte Dimension, die eigentlich mit z bezeichnet werden müsste, wird in der Regel nicht dargestellt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich diese z-Richtung als Zahlenstrahl NB bezeichnet habe.)

Dokument1


 Im Einheitskreis entspricht der Abstand von 0 bis 1 dem Radius. Der Einheitskreis stellt aber nur die Abstraktion des Konkreten dar, das Konkrete wird durch das linearisierte Diagramm von Horst Afheld beschrieben. Nun wird deutlich, wo der fundamentale Irrtum unseres wirtschaftlichen Denkens liegt: im Diagramm von Horst Afheld steigt die Gerade immer weiter an, sie steht für das wirtschaftliche Wachstum, für das im herkömmlichen System keine Grenze vorgesehen ist. Ganz anders die relativistische Sichtweise im Einheitskreis, dort wird das Wachstum der blauen Linie begrenzt: sie nähert sich asymptotisch einem Grenzwert. Hier kann die Produktivität nicht unendlich wachsen, ihr Wachstum ist durch die Geometrie begrenzt. In der Natur ist das Wachstum in ähnlicher Weise durch eine Entweichgeschwindigkeit begrenzt, die für jede Zentral-masse gegeben ist. Nur für die Raketentechnik ist es notwendig, diese Entweichgeschwindigkeit zu überwinden. Würde aber dieses Bild auf die Wirtschaft übertragen, befänden wir uns in einem doppelten Sinne in einem Raketenzeitalter: die Wirtschaft müsste immer weiter wachsen; der KONKRETE Einheitskreis wird immer größer.

Karl Marx war bekanntlich der Ansicht, das kapitalistische System müsse erst zu seiner vollen Reife heranwachsen, bevor es sich selbst zerstören würde. In diesem Punkt hat er sich wahrscheinlich geirrt. Das System ist ein Selbstläufer geworden, das nicht sich selbst, sondern durch die längst erkannte Klimaver-änderung die Zivilisation zerstört. Die Grenzen des Wachstums aber sind seit langem bekannt.

Naomi Klein weist in ihrem Buch "Die Entscheidung - Kapitalismus vs. Klima" auf S. 185 darauf hin, wie viel Kohlenstoff wir verbrennen dürfen, "[...] wollen wir die ernsthafte Chance wahren (ungefähr 80 Prozent), die Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten: 565 Gigatonnen Kohlenstoff in der Zeit von 2011 bis 2049." Das sind etwa 14,8 Gigatonnen pro Jahr. Damit hätte man eine der Entweichgeschwindigkeit vergleichbare Größe, die aber auf gar keinen Fall überschritten werden darf. Die 14,8 Gigatonnen stellen den Grenzwert dar, der den Planeten Erde vor dem vollständigen Kollaps bewahren kann. Von diesem letzten Grenzwert aus muss die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und allgemein der zulässige Schadstoffausstoß berechnet werden.

Um davon eine Vorstellung  zu bekommen, ist vielleicht das nachfolgende Bild hilfreich (aus "Die Selbstorga-nisation des Universums" von Erich Jantsch, 1982, Taschenbuch Verlag, S. 112)


So, wie hier die verschiedenen technischen Prinzipien für den Transport von Menschen in km/h angegeben sind, kann auch der Schadstoffausstoß des Verkehrs, der Haushalte und der Industrie in Tonnen/Zeiteinheit  ange-geben werden, denn die Einheit Gigatonnen/Jahr stellt letztlich auch nichts anderes als eine Geschwindigkeit dar. Dabei würden die 14,8 Gigatonnen/Jahr der Entweich-Geschwindigkeit (Grenzgeschwindigkeit) entsprechen. Allerdings müsste die obere Hälfte der vorstehenden Hüllkurve durch die blaue Kurve (unter Berücksichtigung der Geschwindigkeit, die durch die rote Kurve angegeben ist) des vorletzten Diagramms ersetzt und - da nach 2049 keine zusätzlichen Emissionen mehr zugelassen sein sollen - rückwärts durchlaufen werden. Folgt man nun dem Verlauf der blauen Linie hat man Zeit gewonnen, die Abnahme des Schadstoffausstoßes langfristig zu planen.


(Hier ist der Verlauf der Schadstoffemissionen beispielhaft für NB = 10 Jahre statt NB = 38 Jahre ausgerechnet. Mit GT2(NB) = 14.041 ist aber bereits annähernd der Wert Gt = 14.8 Gigatonnen/Jahr erreicht.)

Dieser vorgegebenen Größe (blaue Linie) haben sich dann alle nachfolgenden Prozesse UNTERZUORDNEN. Müssen Fabriken, die einen zu hohen Schadstoffausstoß haben, geschlossen werden, muss dies ohne Rück-sicht auf dabei entstehende Arbeitslosigkeit geschehen. Dadurch wird aber unmittelbar ersichtlich, dass diese Prozesse von den Menschen bewusst gesteuert werden müssen - und zwar weltweit. Aber gerade angesichts dieser Dimension kann und darf es keine "Ökodiktatur" geben, hier ist die freiwillige Einsicht in die Notwendigkeit geboten. Dazu muss das Wirtschaftssystem so eingerichtet werden, dass der Einsicht auch Taten folgen können. Es kann nicht mehr so sein, dass sich das Wirtschaftswachstum "irgendwie" einstellt. Auch, wenn diese Einsicht dem Ein- oder Anderen schwer fällt, es muss - zum Wohle der Menschheit - GEPLANT werden. Die Vorstellung, dass der Markt allein entscheidet, was gut und was schlecht für diesen Planeten ist, hat sich restlos überlebt.

Nun zuerst die gute Nachricht: Wenn es zur Einhaltung dieses Grenzwertes notwendig ist, Kohlekraftwerke und Ölraffinerien zu schließen, dann kann das unbedenklich geschehen, denn sollten dabei Arbeitslose entstehen, wären sie im relativistischen Wirtschaftssystem - wie oben gezeigt - finanziell abgesichert.

Die schlechte Nachricht: Durch den technischen Fortschritt allein können die Grenzwerte wahrscheinlich nicht eingehalten werden. Es muss auch VERZICHT geübt werden. Dies ist dadurch bedingt, dass die Ressourcen auf der Erde begrenzt sind und - sofern sie nicht recycelt werden können - schlicht und ergreifend abnehmen bis nichts mehr übrig ist. Es muss also die Frage gestellt werden: was braucht eine Wirtschaftsregion zum Leben WIRKLICH. Die Kultur des unbegrenzten Konsums wird dabei ganz zwangsläufig in Frage gestellt werden. In der relativistischen Sichtweise bedeutet dies, dass der Radius des Einheitskreises für die konkrete Produktivität KLEINER werden muss. Dagegen sind auch Wasserkraftwerke, Wind-, Biogas- und Voltaikanlagen machtlos.


8. Die Bedeutung der gesellschaftlichen Arbeit in der relativistischen Sichtweise

8.1 Das relativistische Gleichgewicht

Die „wirtschaftliche Energie“ teilt sich in zwei Bereiche auf. Zum einen gibt es den durch Erwerbsarbeit entstandenen Bereich, dem das Äquivalent Lohn (Geld) gegenübersteht. Zum anderen gibt es den Bereich, der durch den TECHNISCHEN FORTSCHRITT entstanden ist, dem das Äquivalent Lohn (Geld) fehlt. Für die in der Erwerbsarbeit tätigen Menschen hat sich in der relativistischen Sichtweise die Zeit gedehnt, ihre Sekunde ist größer geworden. Damit müsste aber auch ihre Stunde, und d. h.: ihr Stundenlohn größer geworden sein. Nur so hätten die Erwerbstätigen das Geld für die Arbeitslosen mitverdienen können. Die Unternehmen hätten dafür allerdings einen entsprechenden Anteil ihres Gewinns abgeben müssen. In diesem Fall hätte sich der Wert des BIP nicht geändert, aber die Geldmenge hätte sich so erhöht, dass auch die Arbeitslosen ausreichend Geld zum Kauf von Waren zur Verfügung gehabt hätten.

Geht man hingegen davon aus, dass die Unternehmen nicht bereit sind auf diesen Anteil zu verzichten, muss der gesamte in Geld ausgedrückte Wert des BIP relativistisch erhöht werden. In einer Volkswirtschaft muss immer so viel Geld verdient werden, damit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufgekauft werden kann. Dem in Geld ausgedrückten Wert des BIP muss (eigentlich) die Summe aller in einer Volkswirtschaft gezahlten Löhne entsprechen – man spricht sicherlich nicht zufällig in diesem Zusammenhang vom „Volkseinkommen“. Unterstellt man - der Einfachheit halber - einmal, dass das Volkseinkommen tatsächlich aus der Summe aller gezahlten Löhne bestehen würde, dann würde Gleichgewicht zwischen dem in Geld ausgedrückten Wert des BIP und den Löhnen (der Kaufkraft) bestehen.

Nach der relativistischen Sichtweise fehlt aber der in den Löhnen enthaltene Anteil der gedehnten Zeit, also der Anteil, der durch den TECHNISCHEN FORTSCHRITT entstanden ist. Folglich muss in diesem Fall der gesamte Wert des in Geld ausgedrückten Bruttoinlandsproduktes ( = reales Volkseinkommen) durch den Ausgleichsfaktor erhöht werden. Dieses vergrößerte (gedehnte) Volkseinkommen macht deutlich, dass das Volkseinkommen selbst hinter dem „wirklichen“ Wert des BIP zurück geblieben ist.

Dies hat in ähnlicher Weise Robert Kurz in: "Die letzten Gefechte,  Ein Essay über den Pariser Mai, den Pariser Dezember und das Bündnis für Arbeit" beschrieben.

Das Kapital tendiert durch die konkurrenzvermittelte Steigerung der Produktivität dazu, immer mehr stoffliche Produkte mit immer weniger Arbeit zu erzeugen, während sein eigentlicher Zweck gerade die Anhäufung von in Geld inkarnierten Arbeitsquanta ist. Es kommt also dazu, daß bei »zu hoher« (vom Standpunkt der Verwertung aus) Produktivität das bereits akkumulierte Kapital nicht mehr ausreichend rentabel reinvestiert werden kann (»Überakkumulation«). Der Rückgang der Massenkaufkraft und der Staatseinnahmen zeigt insofern nur den Rückgang der realen Wertproduktion an und ist an sich keinerlei äußerer, »politischer« Regulation zugänglich, sondern markiert die Systemgrenze selbst. Überakkumulation und Unterkonsumtion sind die beiden Seiten derselben Medaille.

  
Nach dieser Einschätzung ist der Rückgang der Massenkaufkraft keinerlei äußerer, "politischer" Regulation zugänglich. Wenn in den Zentren der kapitalistischen Produktionsweise die Menschen einerseits von allem viel zu viel haben, andererseits sich aber eine neue Armut entwickelt hat, deutet das auf den Verlust von Massenkaufkraft hin. Die Analyse von Robert Kurz besagt deshalb nichts anderes, als dass in einem her-kömmlichen Wirtschaftssystem das Problem des Rückgangs von Massenkaufkraft nicht behoben werden kann. Dagegen bietet das "relativistische Wirtschaftssystem" über die Dehnung der Zeit und damit des Geldes eine Lösung an. Zieht man von dem relativistisch vergrößerten Volkseinkommen ( = Massenkaufkraft) den Wert des in Geld ausgedrückten BIP ( = reales Volkseinkommen) ab, hat man den Wert, der den Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden muss. Dieses Geld könnte als GRUNDEINKOMMEN von einer neu zu schaffenden Einrichtung - vergleichbar einer Zentralbank - in Zusammenarbeit mit dem statistischen Bundesamt verwaltet und über die Arbeitsagenturen, die dann Einkommensagenturen wären, an die Arbeitslosen ausgezahlt werden.

Auf einige Menschen wird aber auch viel Unerfreuliches zukommen, z. B. auf die Reichen und Superreichen! Sie müssen nun auf ihrem Geld sitzen bleiben, denn wenn sie es ausgeben würden, käme es notwendiger Weise zu einer gigantischen Inflation. In dieser Situation wird es erst wirklich deutlich, warum die riesigen Vermögen gegen die Schulden aufgerechnet (oder auf andere Weise "unschädlich" gemacht) werden müssen.

Es ist allerdings denkbar, dass in dieser Überlegung auch der Ansatz zu einer neuen Moral enthalten ist. Niemand kann und will diesen "überreichen" Menschen ihr Geld wegnehmen. Aber wenn sie wissen, dass ihr Geld in den entwickelten Regionen nicht gebraucht wird, dann können sie selbst überlegen, wo sie ihr überflüssiges Geld hingeben; Möglichkeiten dafür gibt es reichlich. Sie würden vor der Alternative stehen, Unheil anzurichten oder Gutes - also etwas für das Allgemeinwohl der Menschheit - zu tun. Demjenigen, den es finanziell nicht schmerzt, sollte die Entscheidung leicht fallen.

Erst wenn die "überflüssigen" Vermögen aufgebraucht bzw. sinnvoll angelegt - und das kann nur heißen: VERSCHENKT - worden sind, tritt die eigentliche Bedeutung für das durch technischen Fortschritt generierte GELD  ( = Grundeinkommen) hervor: es ist nicht vorhanden und muss erst geschaffen (gedruckt) werden.

Jetzt wird der Einwand kommen: Aber Geld drucken führt doch zur Inflation.

Nein, führt es nicht, es führt zwischen der materiellen Dimension (den Gütern und Dienstleistungen = BIP) und der immateriellen Dimension (der Kaufkraft) zum GLEICHGEWICHT. Diese Einsicht ist wohl die wichtigste Voraussetzung dafür, dass sich ein relativistisches Wirtschaftssystem etablieren kann.

8.2 Fernziel: Die egalitäre Gesellschaft

Ein relativistisches Gleichgewicht bedingt aber zwangsläufig einige Änderungen im Vergleich zu herkömmlichen Betrachtungsweisen der Wirtschaft. Die Relativitätstheorie selbst hat deutlich gemacht, dass Raum und Zeit nicht getrennt voneinander existieren, sondern in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Dieses Abhängigkeitsverhältnis hat Hermann Minkowski in seinem berühmt gewordenen Satz für das Verhältnis von Raum und Zeit beschrieben.

 Von Stund an sollen Raum und Zeit für sich völlig zu Schatten herabsinken, und nur noch eine Art Union der beiden soll Selbständigkeit bewahren.[7]

Dies gilt in ähnlicher Weise für das Verhältnis von Masse und Zeit. Je mehr sich die Geschwindigkeit einer Masse der Lichtgeschwindigkeit (Grenzgeschwindigkeit) nähert, desto größer wird ihre träge Masse. Wenn sich gleichzeitig die Zeit dehnt, dann entsteht in der Physik der weiter vorn schon genannte Masse-Zeit-Kosmos.

Masse-Zeit-Kosmos

 

Wenn in Analogie zu diesem Masse-Zeit-Kosmos in der Wirtschaft ein Arbeit-Zeit-Kosmos entstehen kann, lässt sich in Anlehnung an Hermann Minkowski formulieren:

Von Stund an sollen Arbeit und Zeit für sich völlig zu Schatten herabsinken, und nur noch eine Art Union der beiden soll Selbständigkeit bewahren.

In der relativistischen Sichtweise gibt es keine individuelle Arbeit und keine individuelle Zeit mehr, sondern Arbeit und Zeit „verschmelzen“ zu einer Union. Indem jedoch Arbeit und Zeit der individuellen Sphäre entzogen sind, können sie nur als ALLGEMEINES existieren: als gesellschaftliche Arbeit und gesellschaftliche Zeit. Das Gesellschaftliche bedeutet die Möglichkeit, das Allgemeine im Individuellen aufscheinen zu lassen. Dabei wandelt sich aber das Ziel des Wirtschaftens: das Individuum handelt nun unter einer neuen Prämisse, nämlich zum Vorteil für ALLE Menschen zu arbeiten. Das Individuelle ist also nicht verschwunden, es bekommt nur eine andere Zielsetzung zugewiesen: für den Anderen, den Mitmenschen zu arbeiten. Der "Motor" des Wirtschaftens besteht nicht mehr im Erstreben des größtmöglichen eigenen Vorteils, sondern der "Motor" des Wirtschaftens besteht nun in dem Bestreben, den größtmöglichen Vorteil für alle Menschen zu erzielen.

Nur mit dieser Perspektive kann es letztlich gelingen, den Planeten Erde vor einer katastrophalen Entwicklung zu bewahren.

Sind Arbeit und Zeit in der Ebene des Allgemeinen miteinander „verschmolzen“, kann das „gedehnte“ Ein-kommen des Volkes als GANZES gesehen und verteilt werden. Hier wird erkennbar, dass die relativistische Sichtweise langfristig zwangsläufig in eine „EGALITÄRE GESELLSCHAFT“ führt, in der der Einzelne keinen Lohn (Leistungslohn) mehr erhalten kann, sondern - im Sinne einer „Anweisung auf Waren“ (Rudolf Steiner) - ein Einkommen, welches dann aber auch an diejenigen ausgezahlt werden kann, die nicht gearbeitet haben. Die relativ wenigen in der Erwerbsarbeit tätigen Menschen schaffen (in der Zukunft) das Bruttoinlandsprodukt, das aber dank technischem Fort­schritt so groß ist, dass alle Menschen dieser Wirtschaftsregion ausreichend mit Geld und Waren versorgt werden können.

In einer derart gewandelten Gesellschaft, in der die Einen arbeiten, die Anderen aber nicht, kann nicht mehr „gerecht“ entlohnt werden. Andererseits  -  ist die Forderung nach einer „gerechten Entlohnung“ nicht einer seit je her falschen Sichtweise geschuldet? Hat jemand z. B. ein besonderes musikalisches Gehör, so kann er diese Fähigkeit zwar verbessern, aber die Fähigkeit als solche ist ein „Geschenk“ der Natur. Warum er für dieses „Geschenk“ nun einen höheren Lohn erhalten soll als jemand, dessen Talent z. B. im handwerklichen Geschick liegt, ist eigentlich unverständlich. Sowohl der Musiker als auch der Handwerker werden „gebraucht“, sie erfüllen beide auf ihre Weise eine wichtige Aufgabe. Aber sie machen dies jeweils nach ihren Fähigkeiten, die ihnen mitgegeben (geschenkt) worden sind. In einer egalitären Gesellschaft werden also nicht alle Menschen physisch gleich - sie behalten selbstverständlich ihre Individualität - es wandelt sich nur der daraus abgeleitete Anspruch einer individuellen Leistung in eine Leistung für die ALLGEMEINHEIT.

Diese Einsicht muss in der „gewandelten“ Gesellschaft zu einer fundamentalen Neubewertung der Arbeit führen: JEDE ARBEIT IST GLEICH VIEL WERT. Niemand erhält nach dieser Neubewertung ein Entgelt für seine Arbeitsleistung, sondern jeder erhält „Geld“, um nach seinen Fähigkeiten für die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen arbeiten zu können. Es geht nun nicht mehr darum, Arbeit um jeden Preis zu generieren, sondern es geht darum, in einer Wirtschaftsregion so zu arbeiten, dass deren Mitglieder ausreichend versorgt sind. Unter dieser Prämisse macht es keinen Sinn mehr, aus Gründen der Profitmaximierung zu arbeiten, es macht nur noch Sinn, für das ALLGEMEINWOHL - in seiner umfassendsten Form als Wohl der Menschheit - zu arbeiten.

8.3 Das Grundeinkommen

Wenn in Zukunft der technische Fortschritt das Grundeinkommen generieren soll, erwächst nicht nur dem allgemeinen Wirtschaften, sondern auch dem technischen Fortschritt eine neue Zielsetzung: auch der technische Fortschritt muss geplant werden, und zwar so, dass er dem großen Ziel dient, den Kollaps des Planeten Erde zu verhindern. So mögen z. B. selbstfahrende Autos eine technische Herausforderung darstellen, doch was tragen sie zu diesem großen Ziel bei?

Noch fragwürdiger wird der technische Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) und hier besonders in der Militärtechnik. Es werden Waffen konstruiert, die selbständig töten können - eine größere Perversion menschlichen Denkens ist kaum vorstellbar. Diese Form von technischem Fortschritt sollte von allen Menschen dieser Welt geächtet werden.

Wird Digitalisierung dagegen dort eingesetzt, wo sie den Menschen Arbeit abnimmt, ist sie durchaus vertretbar - aber immer nur unter Berücksichtigung der knapper werdenden Ressourcen. Diese Form des Denkens, in der nicht mehr der ausschließliche Wunsch nach einem Produkt das wirtschaftliche Handeln bestimmt, sondern das wirtschaftliche Handeln selbst stets unter die Frage der Verfügbarkeit von Ressourcen gestellt werden muss, kann in seiner Bedeutung wohl nur noch mit der kopernikanischen Wende verglichen werden.

"Diese totale Wendung bedeutet, dass der Mensch nicht mehr von seinem Standpunkt aus handeln kann, sondern von den Grenzen unserer Erde ausgehend denken und handeln muss. Wir nennen diese radikale Umkehr die ´Planetarische Wende´. Die Be-standsaufnahme der übriggebliebenen Möglichkeiten ist die dringende Aufgabe unserer Zeit."                                                                                                                                           (vergl. H.Gruhl, Ein Planet wird geplündert, in Lesch/Kamphausen: "Die Menschheit schafft sich ab, S. 462 f.)

Aber noch etwas anderes wird nun offensichtlich: diejenigen, die in der Erwerbsarbeit tätig sind, arbeiten immer für die anderen Menschen mit. Das haben sie zwar streng genommen immer schon gemacht, doch bei einer geringen Arbeitslosenquote ist das nicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Deshalb brauchte eigentlich keine "Neiddebatte" zu entstehen. Wenn in Zukunft aber jeder wirklich Arbeitslose gezählt wird und dann für sein Nichtstun auch noch Geld bekommt, werden viele Menschen sich doch fragen, ob sie selbst noch arbeiten wollen. Vielleicht werden einige Menschen wirklich aufhören zu arbeiten, was man ihnen dann auch zugestehen sollte. Ich glaube allerdings, die meisten Menschen werden sich eine Arbeit suchen, und zwar eine, die sie immer schon machen wollten, zu der sie nur nie kamen, weil sie Geld verdienen mussten. So kann ein relativistisches Wirtschaftssystem für viele Menschen auch zu einer Möglichkeit für ein selbstbestimmtes Leben werden.

Wenn nun niemand für seine individuell geleistete Arbeit bezahlt wird, sondern durch ein gedehntes Volks-einkommen „Geld“ in Form eines monatlichen GRUNDEINKOMMENS für seinen „Dienst an der Gemein-schaft“ erhält, ist es geradezu selbstverständlich, dass jeder das Gleiche an „Geld“ bekommt (kleinere Abweichungen sollten erlaubt sein, müssten aber in der jeweiligen Arbeitsgemeinschaft abgesprochen werden). Die Trennung von Arbeit und Einkommen ergibt sich so ganz selbsverständlich: Jeder arbeitet für jeden (jeder arbeitet für die Allgemeinheit) und bekommt für seinen „Dienst an der Gemeinschaft“ Geld als eine "Anweisung auf Waren" zugewiesen. In dem Prinzip "Jeder arbeitet für jeden" ist aber auch die Möglichkeit zur Bildung einer Zivilgesellschaft enthalten, die mehr demokratische Teilhabe ermöglichen wird, denn das ALLGEMEINWOHL steht in deutlichem Gegensatz zum individualistischen Egoismus. Selbstverantwortung und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen könnten zur gesellschaftlichen Normalität werden.

Es müsste schon in den Schulen zu einem erklärten Erziehungsziel werden, dass Schüler nicht für gute Zensuren arbeiten, sondern dafür, dass sie ihre Arbeiten so gut wie möglich machen. Dabei könnten Zensuren für die Schüler in der Form der Selbstkontrolle eine Hilfe sein, ihren Leistungsstand in einer Lerngruppe festzustellen – eine darüber hinausgehende Bedeutung sollte den Zensuren aber nicht zukommen. Solch eine Grundeinstellung würde später die Einsicht erleichtern, nicht dafür zu arbeiten, möglichst viel Geld für seine Arbeit zu erhalten, sondern dafür, dass alle Mitglieder der Gesellschaft ausreichend mit den wichtigsten Bedürf-nissen versorgt werden können.

Da aber in der Relativitätstheorie die Dehnung der Zeit mit dem langsamen Anstieg der trägen Masse ein- hergeht, können auch in einer relativistischen Wirtschaftsform zunächst nur die wirklich bedürftigen Menschen (Arbeitslose) ein Grundeinkommen erhalten. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für ALLE Mitglieder einer Wirtschaftsregion von Anfang an kann es deshalb nicht geben. Aber der Lohn der Erwerbstätigen stellt ja auch schon Geld dar, mit dem das BIP aufgekauft werden kann. Das einzige Kriterium für den Erhalt des Grund-einkommens sollte die Arbeitslosigkeit sein. Wenn sich also jemand arbeitslos meldet, sollte er/sie be- dingungslos das Grundeinkommen erhalten.

Je höher dann das gemeinschaftlich erarbeitete EINKOMMEN DES VOLKES steigt, desto mehr Menschen können das Grundeinkommen in Anspruch nehmen. Ein Grundeinkommen für ALLE ist daher als ein Fernziel anzusehen, das dann erreicht sein wird, wenn die Höhe des Grundeinkommens für alle (in etwa) GLEICH ist.

Ein Bild kann diesen Vorgang vielleicht etwas anschaulicher darstellen. Man stelle sich vor, ein Kind habe mit seinen Bauklötzchen mehrere Türmchen mit unterschiedlichen Höhen in einer Badewanne aufgebaut. Beim Einlaufen des Wassers wird ein Türmchen nach dem anderen unter den Wasserspiegel geraten. Die Türmchen stellen die Lohnhöhen dar, der ansteigende Wasserspiegel das wachsende Grundeinkommen. Das Grund-einkommen erhalten diejenigen sofort, die nicht in der Erwerbsarbeit tätig sind (Arbeitslose plus Rentner bzw. Pensionäre). Aber nach und nach werden die Lohnhöhen vom Grundeinkommen „überspült“ – die davon betroffenen Menschen würden zu „Aufstockern“ werden, d. h., sie könnten ihrer Tätigkeit weiter nachgehen, bekämen aber die Differenz bis zur vollen Höhe des Grundeinkommens von der Einkommensagentur ausbezahlt.

An dieser Stelle wird es jedoch besonders deutlich, warum die privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen mehr und mehr in die "Verfügungsgewalt der Allgemeinheit" überführt werden müssen, denn der dem  privatwirtschaftlichen Denken immanente Gedanke an den eigenen Gewinn könnte die Löhne auf Kosten der Allgemeinheit (des Grundeinkommens) drücken.

Im relativistischen Wirtschaftssystem kommt die gedehnte Zeit mit ihrem äquivalenten „Geldvolumen“ wie ein sprudelnder Quell von AUSSEN hinzu, und ist doch ein INNERES, weil es aus menschlicher Arbeit stammt. Der im technischen Fortschritt verborgene Wert entspringt aber nicht der individuellen, sondern der gesell-schaftlichen Arbeit, in der die Arbeit von vielen Generationen enthalten ist. Die spannende Frage wird also sein, ob dieser Unterschied nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt wird. An dieser Frage wird sich vermutlich entscheiden, ob die Welt eine humane Perspektive hat oder in die Barbarei abgleitet.

8.4 Die Trennung von Herstellungs- und Produktionskosten

Damit also die Menschen, die auf Grund des technischen Fortschritts arbeitslos geworden sind, auch Geld haben, um konsumieren zu können, ist eine relativistische Sichtweise notwendig. Aber auch in dieser Sichtweise muss der Wert (Preis) der Ware bestimmt werden. Nach Karl Marx gilt: „Der Wert einer Ware wird ganz allgemein bestimmt durch den zu ihrer Reproduktion erforderlichen Arbeitsaufwand“[8]. Damit ist der Wert (Tauschwert) der Ware eindeutig auf die Kosten reduziert, die entstehen, wenn einer Ware, die verkauft worden ist, eine neue Ware folgen soll. Die Summe aller Preise von Waren und Dienstleitungen gibt dadurch zugleich die Menge Geld an, die gebraucht wird, um das BIP aufkaufen zu können.

Man könnte die Geldscheine farbig gestalten (was allerdings nicht zwingend notwendig ist): rot für Leihgeld, gelb für Kaufgeld und grün für Schenkgeld (Einteilung von Leih-, Kauf- und Schenkgeld nach Rudolf Steiner). Banken und Sparkassen könnten Abkürzungen verwenden: LG für Leihgeld, KG für Kaufgeld und SG für Schenkgeld (bestehend überwiegend aus Steuergeldern). So hätten die Banken und die Sparkassen jederzeit einen Überblick über die Menge und die Art des umlaufenden Geldes. Das Kaufgeld, das i. d. R. über ein Girokonto läuft, muss prinzipiell dem in Geld ausgedrückten Wert des BIP entsprechen. Gespartes Geld, das auf Sparkonten liegt, muss dabei jedoch als potentielles Kaufgeld berücksichtigt werden.

Wird nun das Geld für die Investition, die ja die Ware erst möglich macht, neu gedruckt - man könnte auch sagen: von der Gesellschaft „geliehen“ - braucht es nicht in den Preis für die Ware einzufließen. (Dieser Gedankengang kann nur auf die bereits in die "Verfügungsgewalt der Allgemeinheit" überführten Unternehmen angewendet werden.) Wird der Geldschöpfungsprozess (= Geld drucken) in die Hand einer gesellschaftlichen und nicht einer privaten, auf Gewinn ausgerichteten Institution übertragen, braucht der "Kredit" für die Herstellung von Waren nicht zurückgezahlt zu werden, denn das Geld gehört ja schon der Gesellschaft. Das Drucken von Geld durch eine Zentralbank (oder einer vergleichbaren neu einzurichtenden Institution) wird schon aus dem einfachen Grund notwendig sein, weil für die Projekte, die die Klimakatastrophe verhindern können, das Geld einfach nicht fehlen DARF.

Durch die Trennung der Herstellungskosten von den Reproduktionskosten besteht dann keine Notwendigkeit mehr, Gewinn zu erwirtschaften oder Wachstum um des Wachstums willen zu erzeugen (nur um den Kredit plus Zinsen zurück zu zahlen). Bei einer zunehmenden Überführung der privatwirtschaftlich organisierten Unter-nehmen in die "Verfügungsgewalt der Allgemeinheit" kann dann dem gesamten System sukzessive das Prinzip der Gewinnmaxiierung entzogen werden - Geld würde in diesem Modell nur dazu dienen, die Kosten für den Nachschub an Waren zu ermöglichen (Preis = Reproduktionskosten).

Indem die Herstellungskosten von den Reproduktionskosten getrennt werden, wird zugleich deutlich, dass der Gegenwert der Reproduktionskosten sich aus dem Arbeitslohn und dem Grundeinkommen zusammensetzen muss. Arbeitslohn und Einkommen sind als zwei unterschiedliche - wenn auch in Teilen sich überlappende - Bereiche anzusehen. Der Kredit, der benötigt wurde, um die Herstellung von Waren zu ermöglichen, enthält auch das Geld für die Entlohnung von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern - es würde umlaufen und dazu beitragen, dass das BIP aufgekauft werden kann. Dagegen muss für die NICHT-Erwerbstätigen ein Einkommen generiert werden - eine Aufgabe, die nun durch die hier vorgenomme Interpretation des technischen Fortschritts (in der Form als "gedehnte Zeit") auch möglich geworden ist.

Das Leben besteht aus zweierlei: aus WERDEN und VERGEHEN. Im Bereich der Investitionen begegnet man dem Prozess des WERDENS, durch den das Geldvolumen „aufgebläht“ wird. In dem natürlichen Prozess des Alterns begegnet man dem VERGEHEN, durch den das aufgeblähte Geldvolumen auf seine ursprüngliche Größe zurückgeführt werden muss. Es wird demnach Aufgabe von Banken und Sparkassen sein, das reine Leihgeld zu ermitteln und an die Zentralbank weiter zu geben, die - im Zeitalter der elektronischen Buchführung einfach durch eine  Buchungsaktion - das in einer Wirtschaftsregion zur Verfügung stehende Geld entsprechend reduzieren kann, damit wieder Gleichgewicht zwischen der immateriellen Geldgröße und dem materiellen BIP herrschen kann.

Für ein relati­vistisches Wirtschafts­system ist das Gleichgewicht von materiellem Wert (Bruttoinlandsprodukt) und immateriellem Gegenwert (der in „Geld“ ausgedrückte Gegenwert des BIP) der Waren und Dienstleistungen eine Grundbedingung. Aus dieser Grundbedingung heraus wird erkennbar, warum das Erheben von Zinsen das Gleichgewicht stören muss. Auch im gegenwärtigen Geldsystem müsste dem Zins eigentlich schon ein materieller Wertzuwachs gegenüber stehen, der aber nicht entstehen kann, weil nur die Investition den Wertzuwachs bewirkt. Der Zins wütet heute wie ein blindes Ungeheuer, das nur Geld verschlingt, ohne erkennen zu können, dass Geld alleine gar nicht existiert, sondern immer Ausdruck eines materiellen Wertes ist. Vor dem Hintergrund des äquivalenten Geld-Wa­renkosmos zeigt sich deutlich, dass das Erheben von Zinsen in Zukunft keine Methode wirtschaftlichen Handelns mehr sein kann. Durch Zinsen entsteht zwar Wachstum - und für eine Welt, die auf Wachstum setzt, mag der Zins eine Möglichkeit sein; wer sich aber vom Wachstumszwang befreien will, muss den Zins - und zinsorientierte Geldgeschäfte jeglicher Art abschaffen.

Dem Prinzip der Selbstverwertung des Werts wäre ein Ende gesetzt.

In einer Wirtschaft ohne Zins und Zinseszins  wird es aber notwendig sein, in einem gesellschaftlichen Diskurs festzulegen, welche Produkte produziert werden sollen – und welche nicht. Um zu gewährleisten, dass nur wirklich sinnvolle Projekte durchgeführt bzw. finanziert werden, müssen Erzeuger- und Verbrauchergemein-schaften – sog. freie Assoziationen – entstehen, in denen die Interessen der Einzelnen mit dem Gemeinwohl in Einklang gebracht werden können. So kann auch dem Irrtum einer Zentralverwaltungswirtschaft wirksam begegnet werden, denn nicht eine Institution mit Funktionären entscheidet fernab vom Ort, sondern Menschen, die sich direkt vor Ort von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen. Planende Elemente bleiben dabei selbst-verständlich eine Notwendigkeit, aber sie werden nicht von einer zentralen Stelle aus einer Mehrheit aufge-zwungen.

8.5 Der Abschied vom uneingeschränkten Freihandel

Die Versorgung von Arbeitslosen (und Rentnern) setzt nun allerdings den Abschied vom uneingeschränkten Freihandel voraus, denn Arbeitslose können nur in einem geographisch begrenzten Raum versorgt werden. Solch ein begrenzter Wirtschaftsraum könnte bevorzugt durch Nationalstaaten repräsentiert sein, denen die Ver-antwortung für die Arbeitslosen zufiele. Aber wenn man das dialektische Wechselspiel aus EINHEIT und VIELHEIT zu ließe, wären sowohl der begrenzte Wirtschaftsraum eines geeinten Europa als auch regional begrenzte Räume innerhalb von Nationalstaaten denkbar.

Geht es vorrangig um die Versorgung der Menschen einer geographisch begrenzten Wirtschaftseinheit, könnte die gedehnte Zeit mit ihrem äquivalenten „Geldvolumen“ die gesamte Weltwirtschaft vom Binnenmarkt her entspannen, denn es entfiele der Zwang, Konkurrenz und Gewinnmaximierung um jeden Preis und an jeder Stelle der Welt betreiben zu müssen. Wenn dabei der Außenhandel auf ein notwendiges Minimum begrenzt würde, käme das nur den Entwicklungsländern zugute. Die „erste Welt“ könnte ihre Produktion einschränken und damit der „zweiten, dritten und vierten Welt“ die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung einräumen. Exporte würden nur noch dem Zweck dienen, anderen Ländern das zu liefern, was sie selbst nicht besitzen oder herstellen können, aber trotzdem benötigen. Wirtschaftsspionage brauchte es nicht mehr zu geben, weil jeder Arbeitsprozess zum Nachahmen freigegeben wäre, so wie z. B. Pythagoras, Euklid, Isaak Newton und Albert Einstein ihr Wissen der Menschheit unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Die Menschen in den verschie-denen Wirtschaftsräumen würden sich in einem relativistischen Wirtschaftssystem nicht mehr in gegenseitiger Konkurrenz, sondern in gegenseitiger Verantwortung gegenüberstehen. Die heute ausschließlich vorherrschende Konkurrenz würde ergänzt durch die KOOPERATION.

Letztlich gibt es die riesigen Wirtschaftsräume der multinationalen Konzerne. Sicherlich wird es nicht leicht werden, ihnen den Gedanken von der Begrenztheit aller Dinge wieder verständlich zu machen, leben wir doch in einer Zeit, in der die Globalisierung weltweit als zwangsläufige Entwicklung betrachtet wird. Erst die Dialektik demaskiert in einem ganz anderen, viel umfassenderem Sinne das Unbegrenzte selbst als die eine Möglichkeit, während die zweite Möglichkeit in ihrem Gegenteil besteht: der Begrenztheit. Doch die Einsicht in die Begrenztheit aller Dinge kann nur gelingen, wenn Grenzen auch gedacht werden dürfen. Ein Wirtschaftssystem, welches das als undenkbar ausschließt, was mit dem System unvereinbar scheint, beschränkt in gefährlichem Maße das Denken der Menschen.

Ein multinationaler Konzern käme schon bei dem ersten Mitarbeiter, der entlassen werden müsste, in Schwierigkeiten. Dieses Unternehmen gehört zu keiner geographischen Region, in der der arbeitslos gewordene Mitarbeiter „aufgefangen“ werden könnte. Wenn es aber um das zentrale Problem der Versorgung von Menschen geht, kann diese Art der „Entgrenzung“ nicht zugelassen werden, weil es die Existenz von Menschen gefährdet. Solche Unternehmen müssen „verortet“ werden. Sie müssen nicht zerschlagen, dafür aber so aufgeteilt werden, dass sie einer geographisch überschaubaren Wirtschaftseinheit zugeordnet werden können. Diese Wirtschaftseinheiten müssen jedoch, damit Gleichgewicht herrschen kann, durch protektionistische Maßnahmen geschützt werden. Die in der heutigen Wirtschaft angeblich nur störenden und hinderlichen Grenzen erweisen sich hier als notwendig, denn sie ermöglichen das Überleben der Menschen, die ansonsten von ihrem Wirtschaftssystem gedankenlos getötet würden.

Doch in einem NICHT-relativistischen Wirtschaftssystem, in dem es keinen relativistischen Ausgleich für die durch protektionistische Maßnahmen notwendiger Weise entstehende Arbeitslosigkeit gibt, ist Protektionismus nicht nur eine grenzenlose Dummheit, er ist in hohem Maße gefährlich, weil er in letzter Konsequenz militärische Konflikte provoziert.

8.6 Besitz als Nutzungsrecht

Im gegenwärtigen Wirtschaftssystem ist das Geld extrem ungleich verteilt. Es ist „da“ für diejenigen, die es besitzen, es ist „nicht da“ für diejenigen, die es nicht besitzen, aber trotzdem brauchen. Doch dieses Mysterium haben sich die Menschen durch ihren Eigentumsbegriff selbst geschaffen. Der Gewinn liegt hinter der „Schranke des Eigentums“ verborgen, und wird deshalb – irrtümlicherweise – für Privateigentum gehalten. Es stellt sich daher durchaus die Frage, ob und wieviel Eigentum erlaubt sein soll.

Man erinnere sich an Pierre-Joseph Proudhon. Er ist mit einem Satz weltberühmt geworden: „Eigentum ist Diebstahl“. Diesen provokanten Satz kann man aber nur verstehen, wenn man bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurückgeht. Wem gehörten damals der Grund und der Boden, wem gehörte die Welt? Die Frage wird nicht anders beantwortet werden können: Allen Menschen gehörte alles.

Natürlich hat sich bis heute die Welt entwickelt, natürlich gibt es heute Eigentum. Aber speziell das Eigentum an Produktionsmitteln darf nicht dazu dienen, persönliche Reichtümer anzuhäufen. Es soll ja dazu dienen, die Menschen mit den Dingen des Lebens zu versorgen und ihnen das Geld zum Kauf dieser Dinge zur Verfügung zu stellen. Das Geld, welches den Arbeitnehmern bislang auf Grund eines falschen Eigentumsverständnisses zwangsweise vorenthalten wird, fließt heute als Gewinn in in die Taschen der Unternehmer - und läßt die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgehen. Dieser „Anreiz“ fällt in einer egalitären Gesellschaft weg. Eigentum im heutigen Sinne braucht es nicht zu geben, denn wenn allen Menschen alles gehört, kann es nur noch „Besitz“ im Sinne von Nutzungsrechten geben, der jedoch in der Verantwortung gegenüber den Eigen-tümern – also der ALLGEMEINHEIT – verwaltet werden muss.

Hier stellt allerdings das Erbrecht ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für eine gesellschaftliche Weiter-entwicklung dar, denn wenn z. B. nach dem Tod eines Gründungsunternehmers kein Familienmitglied das Unter-nehmen weiterführen möchte, bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, nach einer fähigen Person zu suchen, die im Sinne eines "leitenden Angestellten" das Unternehmen für die Allgemeinheit verwaltet. Würde dieses Prinzip darüber hinaus für alle leitenden Angestellten gelten, käme eine Wirtschaftsordnung in den Bereich des Möglichen, in der die  Verfügungsgewalt mehr und mehr an die Allgemeinheit übergehen würde.

Aber die Familienmitglieder, die nach heutigem Erbrecht reich werden, ohne auch nur den "kleinen Finger krumm gemacht" zu haben, müssten leer ausgehen, denn sie bekämen ja ein leistungsloses Einkommen. Jetzt wäre das Einkommen aber auch deswegen als leistungslos zu bezeichnen, weil diese Menschen nichts für das WOHL DER ALLGEMEINHEIT getan haben.

Wird in diesem Sinne gedacht, kann die relativistische Sichtweise dazu beitragen, den Kapitalismus zu über- winden. Der Kapitalismus ist bekanntlich mehr als nur ein Wirtschaftssystem. Er ist zugleich ein Gesell-schaftssystem, das die Menschen unter ganz bestimmten Bedingungen leben und arbeiten lässt. Wie kann aber ein System, das auf Habgier und Raffsucht aufgebaut ist, so umgewandelt werden, dass die Menschen friedvoll und in gegenseitiger Rücksichtnahme miteinander leben können?

8.7 Die Überwindung des Kapitalismus

Die Antwort könnte jetzt lauten: Indem der Konkurrenz ein gegenteiliges Prinzip an die Seite gestellt wird, das Prinzip Kooperation. Wenn jeder für jeden arbeitet ist das Arbeiten für die Allgemeinheit verwirklicht.  Nach Karl Marx bedeutet die Umwandlung der Arbeitskraft in eine Ware den Anbruch der Epoche des Kapitalismus.[9] Könnte man aber den Menschen durch ein "gedehntes" Volkseinkommen „Geld“ in Form eines monatlichen GRUNDEINKOMMENS geben, ist genau die Voraussetzung, die den Kapitalismus erst möglich gemacht hat, nicht mehr vorhanden. Die Menschen wären nicht mehr gezwungen, ihre Arbeitskraft zu jedem Preis und unter jeder Bedingung zu verkaufen. Sie könnten sich frei entscheiden, für wen und wie sie arbeiten wollten.

Mit der Annahme, dass der technische Fortschritt das Grundeinkommen generieren soll, ist das Prinzip "arbeiten für die ALLGEMEINHEIT" im Sinne gesellschaftlicher Arbeit ergänzt worden, denn der technische Fortschritt ist nicht das Ergebnis eines Einzelnen, der egoistisch für seinen Vorteil gearbeitet hat, sondern er ist das Ergebnis einer allgemeinen Arbeit, an der viele Menschen und viele Generationen mitgearbeitet haben. Dieser Gedanke ermöglicht es, das Grundeinkommen als ALLGEMEINE Arbeit aufzufassen, die dann auch demjenigen berechtigter Weise zusteht, der nicht in der Erwerbsarbeit tätig war. Es müsste allerdings ein grundlegender Wandel im Verständnis von Wirtschaft akzeptiert werden: früher musste gearbeitet werden, um Geld zu verdienen, in Zukunft müssen die Menschen „Geld“ bekommen, um arbeiten zu können. Wenn dies nun in der Erwerbsarbeit nicht mehr notwendig ist, bleibt die Arbeit im sozialen Bereich, also Arbeit für den Mitmenschen.

Obwohl die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Abschaffung des Zinssystems m. E. notwendige Voraussetzungen für ein neues wirtschaftliches Gleichgewicht sind, muss es ohne den Ausgleich für den technischen Fortschritt zu einer Krise kommen, denn es ist kein Grund erkennbar, weshalb der technische Fortschritt nun plötzlich ein Ende haben sollte. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Industrierobotern wird sich bis 2020 voraussichtlich verdoppeln. Den technischen Fortschritt aber als Lösung wirtschaftlicher Probleme zu sehen, gelingt wohl erst mit der hier vorgestellten und am Vorbild der Relativitätstheorie orientierten Sichtweise.

In der bisher nicht erkannten Notwendigkeit eines relativistischen Ausgleichs könnte eine weitere system-bedingte Ursache für die (vor der Bankenkrise) entstandene hohe Verschuldung der „reichen“ Industrienationen liegen, denn wenn immer wieder behauptet wird, sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt, kann dies ebenso bedeuten, dass das immaterielle Äquivalent (das Geld) hinter den produzierten materiellen Werten zurück geblieben ist. Die „Verschuldung“ würde dann in einem ganz anderen Licht erscheinen, denn die Differenz zwischen dem „Geldkosmos“ und dem in Geld ausgedrückten  „Warenkosmos“ kann nicht als Verschuldung im traditionellen Sinne bezeichnet werden: Sie stellt eine Lücke dar, die (relativistisch) aufgefüllt werden muss, damit den Menschen der gesamte immaterielle Wert der geschaffenen materiellen Werte zur Verfügung gestellt werden kann. Die relativistische Sichtweise macht damit deutlich, dass die Schuldenkrise nicht durch Sparen überwunden werden kann, sondern nur durch die Dehnung der Zeit und damit durch die Erhöhung des Geldvolumens bis zum relativistischen Gleichgewicht

Wenn die Wirtschaftswissenschaft heute bereit wäre, den Arbeitswertlehreansatz im Sinne des relativistischen Gleichgewichts zu akzeptieren, könnte ein neues Wirtschafts­system entstehen, in dem sich mit Hilfe der relati-vistischen Gesetze die reale wirtschaftliche Entwicklung fortwährend auf ihr Gleichgewicht hin überprüfen ließe.

Ein Grundeinkommen sollte aber in den Katalog der Menschenrechte aufgenommen werden. Denn es ist nicht nur ein Verstoß gegen die Menschlichkeit, wenn die Menschen durch die vorherrschende Ideologie des Neoliberalismus in prekäre Arbeitsverhältnisse (Billiglohnjobs) und später in die Armut abgedrängt werden - es drängt sich das Bild einer an Schizophrenie erkrankten Gesellschaft auf, die weniger Geld zur Verfügung hat, weil der technische Fortschritt zugenommen hat.

Nachtrag:

 Aber auch durch ein relativistisches Wirtschaftssystem kann nicht das Paradies auf Erden verwirklicht werden. Der Leistungsstand der technologischen Entwicklung von Industrie und Wirtschaft setzt selbstverständlich Grenzen. Doch in dem Maße, wie das relativistische Gleichgewicht an Bedeutung gewinnt, wird der gesell-schaftliche Charakter der Arbeit mehr und mehr hervortreten, der das solidarische Miteinander an die Stelle des konkurrenzorientierten Gegeneinander setzen wird. Es wird sich ein neues Gerechtigkeitsempfinden heraus-bilden, das die Habgierigen aus den Aufsichtsräten vertreiben und die leitenden Angestellten zu Angestellten derjenigen machen wird, die von den Produkten der Betriebe leben wollen.

Industrie und Wirtschaft würden im Dienste der Menschen stehen – eine „Dienstleistungsgesellschaft“ ganz anderer Prägung könnte sich entwickeln. Eine Wirtschaftsordnung, in der – wenn auch zunächst nur als Randerscheinung – ein Bereich „jenseits der Notwendigkeit“ entsteht, in dem die Menschen ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können, wird eine Attraktivität entfalten, die die ständige Gier nach Geld und Konsum als sinnentleert erscheinen lässt, denn andere Qualitäten des Lebens werden eine größere Bedeutung erhalten. Eine Gesellschaft, die sich in der Verantwortung gegenüber dem einzelnen Menschen fühlt, würde unentgeltlich von ihrem gesellschaftlichen Reichtum abgeben, wodurch dem Einzelnen eine Verantwortung gegenüber dem Gesamten erwachsen würde: seine Arbeitskraft in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Wenn er dies nun in der Erwerbsarbeit nicht mehr kann, bleibt als großes Betätigungsfeld die Arbeit im sozialen Bereich. Dadurch könnte der Humanität und der Solidarität eine völlig neue (alte) Bedeutung erwachsen. Das ist die Perspektive einer auf Freiwilligkeit basierenden Gesellschaftsordnung, die aber nur möglich ist, wenn die finanzielle Existenz der Menschen gesichert ist. Dann könnte eine (Welt-)Wirtschaft entstehen, die nach dem Vorbild des Universums eine Welt ermöglicht, in der Platz für viele Welten ist.

 Werden aber die Menschen von einem Arbeitsplatz zum anderen getrieben, um dort ständig neues, den Arbeitsplatzanforderungen entsprechendes Wissen lernen zu müssen, braucht sich niemand zu wundern, wenn plötzlich Bildung mit Ausbildung verwechselt wird. Bildung erweist sich dann als etwas vollkommen überflüssiges, denn sie lässt sich ja nicht unmittelbar für das berufliche Weiterkommen einsetzen. Wenn alle Lebensbereiche der menschlichen Existenz von diesem Kriterium bestimmt werden, dann wird alles, was nicht der wirtschaft-lichen Rationalität genügt, sich auflösen wie Nebel in der Morgensonne. Reflexives Denken über sich selbst, über die eigene oder die gesellschaftliche Situation wird es dann nicht mehr geben - und braucht nicht einmal verboten zu werden. Denn die Zeit, die dafür aufgewendet werden muss, ist sinnlos vergeudete Zeit, sie ist kontraproduktiv. Die Frage: „Warum mache ich etwas“ verkürzt sich dann auf: „Mache ich etwas“, wobei letztlich das, was gemacht wird, völlig gleichgültig ist. Dann wird es keine Rolle mehr spielen, ob Waren produziert werden, die den Menschen schaden, die die Umwelt ruinieren oder die diesen Planeten unbewohnbar machen.

Ich glaube, auf diesem Weg sind wir schon ein gutes (schlechtes) Stück vorangekommen.

Aber ich glaube auch, dass wir noch umkehren, oder besser: einen neuen Weg finden können. Das auf den marxistischen Grundannahmen basierende „relativistische Wirtschaftssystem“ ist keineswegs „nur“ ein Wirtschafts-system, sondern berührt in hohem Maße weltanschauliche Fragen. In ihm wird die Einheit unterschiedlicher Standpunkte bis hin zur Einheit logisch sich ausschließender Gegensätze zum Mittelpunkt des Denkens. Dies aber in so allgemeiner Form, dass es selbst über die unterschiedlichen Religionen hinaus­weist und für gemeinsame Auffassungen „hinter“ den Religionen Raum lässt, ohne diese angreifen zu müssen. Dabei ist das dialektische „sowohl als auch“ keineswegs durch Beliebigkeit, wohl aber durch Toleranz und Respekt vor dem anderen Standpunkt geprägt.

Diese Form des Denkens besteht nicht mehr im „Kampf der Gegensätze“, sondern in der Anerkennung des Anderen als Voraussetzung des eigenen Seins.

In der Hoffnung, dass diese Einsicht möglichst viele Menschen mit mir teilen können, möchte ich den Versuch über eine neue Sichtweise für die Wirtschaft beenden. Er ist sicherlich nicht vollständig und kann daher nicht mehr sein als ein kleiner Punkt am Horizont, den aber vielleicht auch andere Menschen erkennen können. Vielleicht werden auch sie dann feststellen, dass ein System, in dem grundsätzlich Gleichgewicht besteht - wie immer auch die beteiligten Größen sich verändern - zugleich ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt.

Müssen wir wirklich, in ferner oder sogar schon naher Zukunft, auf andere Planeten auswandern, um das Über-leben der Menschheit zu sichern? Es wäre in der Tat ein gewaltiges Projekt, das letztlich aber doch nur wenigen Menschen eine Chance böte. Ein „relativistisches Wirtschaftssystem“, wie ich es hier, wenn auch nur in groben Zügen, umreißen konnte, wäre ein ähnlich gewaltiges Projekt.

Es könnte sich aber für alle lohnen.

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Ich hoffe, Sie sind nun etwas neugierig auf meine "Überlegungen zu einem relativistischen Wirtschaftssystem" geworden (Dateidownload ganz oben am Anfang). Wer darüber hinaus Interesse an Mathematik und Physik hat, dem empfehle ich den Dateidownload "Die physikalischen Grundlagen zu einem relativistischen Wirtschafts-system".

Dieter Höhne, Janunar 2018

Wer mir eine Rückmeldung geben möchte, kann das mit der E-Mail Adresse hoehne-dieter@t-online.de machen, oder sich unten in das Gästebuch eintragen. 

  

Anmerkungen:  

[1] Böckler Impuls Ausgabe: 01/2009

[2] Altenidiker u.a.: Grundkenntnisse Metall, 15.Überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 21

[3] Calder, Nigel: EinsteinsUniversum, 1980, S. 138

 [4] Hinweis: Da das Excel-Programm mit mehr als 3 Stellen hinterdem KomDiema rechnet, ergeben sich für denjenigen, der mit einem  Taschenrechner  rechnet, auf- bzw. abrundungsbedingte Abweichungen.

 [5] Afheldt, Horst: Wirtschaft, die arm macht, 2003, S. 15

 [6] ebenda S.15

 [7] Zitiert nach Wacker Art: Physik der Raumzeit

 [8] Zitiert nach Senf, Bernd: Die blinden Flecken der Ökonomie, 2008, 5.Aufl. S. 86

[9] vergl. Lehrbuch Politische Ökonomie, Frankfurt/Main 1972 S. 162

 


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